Die Familie. 321 Schoos der sitzenden Illutter und herzt den kleinen Johan- nes, ihm mit beiden Händen die Wiangezi streichelnd. Dic- Ser kniet verehrend im Schoos der niedergekauerten Elisa- beth, welche ihn mit der Rechten hält. Den Grund bildet ein verfallenes, mit Buschwerk und Bäumen bewachsenes Gemäuer. Zu beiden Seiten sieht man in eine reiche Land- schaft. Dieses überaus liebliche Bildchen, kräftig und klar in der Färbung, ist sehr zart, aber meisterhaft und geist- reich behandelt, so dass mit Sicherheit anzunehmen ist, Rafael habe es grösstentheils selbst ausgeführt. Felibien, (Entretiens 111x335) gibt über die Herkunft desselben fol- gende Nachricht: „Das Bildchen, von dem ich hier rede und welches sich im Cabinet des Königs befindet, war lange in dem Hanse de Boissi, als eine{Hinterlassenschaft von Adrien Goulficr, Cardinal von Bcissi, welcher im Jahr 1515 (lureh Leo X den Cardinalshut empling und von ihm 1519 als päpstlicher Legat nach Frankreich gesendet wurde. Man sagt, dass Rafael ihm aus Dankbarkeit für die ihm am Hof des Königs Franz Igeleisteten Dienste jenes Bild geschenkt habe. Dem sei nun wie ihm wolle, der Cardinal hielt es sehr in Ehren und Rafael selbst trug Sorge, dass es gut erhalten würde, indem er es mit einem kleinen Deckel ver- Sah, der auf eine eben so geschmackvolle als gelehrte WVeise Verziert ist." Nachmals besass es der Herzog von Rouanez und Ludwig XIV erstand es vom Abbe Lomenie de Brienne. F. Le Comte, in seinem Cabinet de siugularites, Paris 1699 ll p. 54, erwähnt es in Versailles, jetzt ist es im Pariser Museum, aber nicht mehr mit dem von Felibien erwähnten Deckel versehen. lch vermuthe indessen, dass ein kleines 14" hohes und 11" breites, mit N. 1083 bezeichnetes Bild- chen daselbst der jetzt vermisste Verschluss ist. Er besteht aus nun zusammengetügten zwtei Tafeln und zeigt eine mei- sterhaft grau in Grau gemalte, allegorische Figur der Abon- d an t i a. Sie steht in einer Nische gleich einer Statue, stützt Sißll mit dem rechten Arm auf ein goldgelbes Gefäss und hält ein Füuhoru n1it Ähren von derselben Farbe. Die IÄHkC Setzt Siß m die Hüften. An dem untern Stein ist eine Maske mit WCHZGID muschelförmigem Munde angebracht, dzäper das Bild-