250 Jonas. Der todte Knabe. Einzig in seiner Art aus jener Zeit ist besonders die jugendliche Frische und Fülle der Formen ohne alle Ma- nier der michelangesken Weise, und schwerlich hat über- haupt die moderne Sculptur je eine schönere Jünglings- Physiognomie gebildet als die, welche Rafael dem Jo- nas gegeben. Weit geringer im Charakter und wie unfer- tig in der Ausführung ist dagegen die Statue des Elias, obgleich auch sie ihren Rafaelischen Ursprung nicht ver- leugnet. Diese dient zu einem Beweis mehr, dass Rafael selbst den Jonas vollendete, Lorenzetto aber nicht im Stande war nach des llleisters Tod ähnliche Vollendung bei der Statue des Elias zu erreichen. Das untergeordnete 'l'alent des Lorenzetto zeigt sich noch auffallender in der Madonna del Sasso, welche er für das Grabmal liafaefs im Pan- theon ausgeführt, was, durch weitere Gründe unterstützt, alle Zweifel bei mir aufhebt, dass Rafael selbst die Statue des Jonas vollendet. Den zweiten Grund zur Annahme, dass Rafael sich auch in der Bildhauerei versucht hat, gewährt ein Brief des Grafen Castiglione vom S. Mai 1523 an seinen Sach- walter in Rom, Andrea Piperario worin es heisst: „lch wünsche auch zu wissen, ob Giulio Romano noch den klei- nen Knaben in Marmor von der Iland Rafaefs hat, und für wie viel er ihn aufs äusserste ablassen will." Weitere zuverlässige Nachrichten über dieses Marmorwerk liafaefs fehlen uns; indessen besass Cavaceppi und verkaufte an Herrn von Breteuil eine Marmorgruplze eines tödtlich ver- wundeten Knaben, welcher auf dem Rücken eines Delphin liegend, von diesem mit der Schnantze an den herabhän- genden Haaren festgehalten, durch die Fluten des Meeres getragen wird. Cavaceppi nun hat [in seinem Werke diese kleine Gruppe als eine Arbeit des Lorenzetto nach den An- gaben Rafaefs aufgeführt. Wohin sie gekommen, ist mir unbekannt; glücklicherweise hat sich aber ein Abguss da- Lettere pitt. 245. Raccolta (Pantiche st-atue. Tav.