Rufhel und Ccsare da Scslu. 217 liebreiches Wesen solchen Einfluss auf seine Schüler. aus- übte, dass alle, die sich ihm naheten, ihre Individualität ganz vergassen und nur in des Meisters Art und Weise zu wir- ken vermochten. Daher auch Rafael zu dem ihm so wer- then Cesare da Sesto, dem ausgezeiehnetesteil Schüler des Leonardo da Vinci, dessen Weise er beibehielt, scherzend sagen durfte: „Wie kommt es doch, werther Cesare, dass wir in so enger Freundschaft leben und in der Kunst der Malerei so gar keine Achtung gegeneinander bezeugen S?" Nachmals allerdings fühlte auch Cesare sich überwunden und suchte die Eigenthiimlichkeiten beider grossen Meister in eine Manier zu verschmelzen. S0 viele werthe Kunstgenossen indessen sich auch um Rafael versammelten, so waren doch alle seine Bemühun- gen vergeblich zwei seiner liebsten Freunde und Jugend- genossen, Domenico di Paris Alfani aus Perugia und Ri- dolfo del Ghirlandajo aus Florenz, zu sich nach Rom zu ziehen, um, wie er es sehnlichst wünschte, nach früherer Weise mit ihnen in trautester Gemeinschaft zu leben. Ersteren fesselten häusliche Sorgen, besonders für seinen Sohn Orazio, an den väterlichen Herd; den andern ver- mochte nichts, wie die Florentiner sagen, weiter zu gehen, als wo er die Kuppel des Doms noch im Auge hat. Da- gegen hatte Rafael die Freude, seinen geliebten Freund Fra Bartolomeo bei sich zu sehen, der dem Verlangen nicht widerstehen konnte , die hochgepriesenen Werke kennen zu lernen, durch welche Michel Angelo und Rafael die wundervolle Roma verherrlicht hatten. Er fing selbst hier zu arbeiten an; da ihm jedoch die Luft Roms nicht gut bekam, reiste er nach kurzem Aufenthalt nach Florenz zurück, und überliess seinem Rafael die Vol-. lendung zweier von ihm unternommenen Bilder der Apostel Petrus und Paulus für die Sylvesterkirche auf Monte Ca: vallo. Jetzt sieht man diese Bilder in den Zimmern des Quirillül, und erkennt besonders in dem des h. Petrus die tüchtige Hülfe Rafaefs, indem er mit geistrcichen Zügel! Lomazzo 107.