72 Entwürfe für Pinturicclzirß. Florentiuer Gallerie. Eine andere, die fünfte in der Bei-- henfolge, und als solche von Rafaefs eigener Hand bezeich- net, sieht man im Hause Baldeschi zu Perugia. Sie stellt die Begegnung Kaiser Friedrichs III mit Eleonora von Por- tugal, seiner jungen ihm durch Äneas Sylvius angetrauten Gemahlin vor. Gleich der vorhergehenden und einigen an- dern einzelnen Studien zu diesen Compositionen ist auch diese sehr geistreich mit der Feder gezeichnet und mit Bi- ster schattirt. Das Costum ist wie billig jenes aus dem Ende des funfzehnten Jahrhunderts, aber mit Wahl und mit Geschmack einfach" in grossen Massen behandelt. In den Malereien dagegen finden sich viele unvortheilhaftejin- deruxlgen in einzelnen Theilen, besonders eine gewisse Überfüllung an Ornamenten und überflüssiger an der Hand- lung nicht theilnehmender Portraitliguren, woraus deutlich Ilervorgeht, dass Rafael keinen Antheil weder an den Car- tons, noch an der Ausführung gehabt habe. Überhaupt scheint er nie in Siena Arbeiten von Bedeutung ausgeführt zu haben, da in der Ilandschrift des Sigismondo Tizio über die Geschichte Sienas, welche er in den Jahren 1527 bis 1550 schrieb, und worin er auch über die Maler, die frü- her in Siena Beschäftigung fanden, ausführlich berichtet, Rafaels Wirksamkeit an den Malereien des Pinturicchio auch nicht mit einem Worte erwähnt wird. Dieser Umstand und die steife Anordnung der im Dom in Fresco gemalten Krö- nung Pius III scheinen hinreichend, um den weitern Ge- rüchten zu widersprechen, nach welchen der Urbinate auch bei dieser Malerei nicht nur der Zeichnung, sondern selbst theilweise der Ausführung sich unterzogen habe. Hinsichtlich der Zeit, in welcher jene berühmten Ma- lereien im Saale der Chorbücher gefertigt wurden, ein Punkt, über den man sich bis jetzt nicht verständigen konnte, möge Nachfolgendes hier zur Erläuterung dienen: Dass die ge- wölbte Decke mit den Grottesken bereits vor dem 22. Sep- tember 1503, als Francesco Piccolomini nocll Cardinal war, vollendet wurde, erhellt aus dessen öfters darin angebrach- ten Wappen mit dem Cardinalshut. Dagegen zeigen die Pilastcr, welche die Wandgemälde untereinander trennen,