Deutschland. Gaschichte der Kunst in Zur 561 Die edäutel-ndeii Textblätter geben die historischen Notizen für die einzelnen Denkmäler- nnd führen im Uebrigen in ihre konstruktiven und ästhetischen Besonderheiten ein. Das ganze Unternehmen hat das Gepräge eines auf wissenschaftlicher und künstlerischer Grundlage beruhenden, von allem Dileitaiitismus freien Werkes. Der Inhalt der beiden ersten Lieferungen besteht in Folgendem. Zunächst in einem Vorredeblatt, welches sich, neben der Bezeichnung des besondern Zweckes, dem das Unternehmen gewidmet ist, über die allgemeinen Principien der Kirchenbauweise, besonders im früheren ger- manischen Mittelalter, ausspricht. Die unbefangene vorurtheilslose Weise, wie hier, ohne alles Gewicht auf einen einzelnen Punkt zu legen, viel- mehr die verschiedenen Gesichtspunkte, des Idealen und des Technischen, berücksichtigt sind, doch aber das geistige Bedürfniss der damaligen Zeit gebührend in den Vorgrund gestellt ist, erweckt von vornherein ein günsti- gßs Vorurtheil für den Standpunkt, auf dem die Herausgeber sich befinden. Die Mittheilungen der drei ersten Kupfer-blätter betreilen die Kirchen der ehemaligen Cistercienserabtei Eberbach, an der südlichen Abdachung des Taumisgebii-ges, die sogenannte ältere Kii-che und die grössere, eigentliche Hauptkirche des Klosters. Die letztere erscheint als eine mächtige romanische Gewölbkirche strengund schmucklos ausgeführt, wie es bei den Kirchen der Cisterciensei- Sitte war. Sie ist um die Mitte des 12ten Jahrhunderts gegründet und 1186 eingeweiht worden; die Behandlung ihrer Formen entspricht völlig dieser Bauzeit. Die sogenannte ältere Kirche (falls dies Gebäude überhaupt eine eigentliche Kirche war) bildet einen oblongen Raum, der durch zwei säulengtellungell mit überhöht spitzbogigen Kreiizgewölben in drei Schiffe von fast gleicher Breite undHölie geschleden wlrd und an der einen (gen Süden belegenen) Schmalseite mit einem kleinen quadratischen Ausbau versehen ist. Alles Detail hat hier die zierlich elegante Ausbildung des spätromanisclien Styles. Die Herausgeber bemühen sich zu erweisen, dass dies -die ursprüngliche. zu Anfang des 12ten Jahrhunderts erbaute Kirche sei, da sie wirklich an der Stelle befindlich ist, wo die älteren Klostergc- bäude, die im Anfang des l3ten Jahrhunderts in ein Hospital verwandelt wurden, standen. Mir scheint kein Zweifel, dass sie eben zu den letzteren Anlagen gehöre und gleichzeitig mit ihnen aufgeführt wurde, indem die Detailbildungen den Formen dieser spätern Zeit völlig entsprechen. (Da die Parteien in Betreff des romanischen Uebergangsstyles einander in Deutschland noch kämpfend gegenüberstehen, so mag es hier an dieser Andeutung genügen. Wenn aber die Herausgeber bei dieser Gelegenheit sich auf mein Handbuch der Kunstgeschichte beziehen zu dürfen meinten, so hätten sie doch füglich auch von dem Hauptinhalt der angezogenen Seite Notiz nehmen sollen.) Auf 6 folgenden Kupferblättei-n, von denen eines ein Doppelblatt ist, wird sodann die im Jahr 1O_93_gegründetc_ und 1156 eingeweihte Abteikirche von Laach dargestellt, die in ihrer inaJestä- tischen GegammtcompositlOll, in der vortredlichcn räumlichen Anordnung des Innern, in der reichen, principmässigen Durchbildung als eins der Musterbeispiele des romanischen Baustyles zu betrachten ist. Wenn wir über diese so höchst wichtige Kirche bisher nur die wenig genügenden Mitthcilungen besessen, welche in dem oben genannten Werke von Boisseree enthalten sind, so gewinnen wir in den vorliegenden Blättern schon eine sehr umfassende Angehauung ihrer gesaminten Eigcnthüinlichkeiten. EH! KVKICF, Kleine Schriften Ü. 36