Nigra. Die Porta zu Trier. 107 was Kapital erscheint hier somit der rohen byzantinischen (wenn meist auch reich dekorirten) Grundform des Säulenkapitäls ganz entsprechend. Die solche sich z. B. an S. Marco zu Venedig und im Einzelnen sogar an frühest mittelalterlichen Gebäuden in Deutschland findet l), und die wir als Uebergang zu der bekannten mittelalterlichen Form des sogenannten Würfelkapitäles betrachten dürfen. Abgesehen davon, dass aus dieser Form nimmer ein antik dorisches Kapitäl herausgemeisselt werden konnte, so ist sie auch, mit Einschluss des darunter befindlichen Ringes und des Ansatzes des Säulenschaftes, an der Porta Nigra durchgehend mit einer gewissen wiederkehrenden Bestimmtheit angegeben, Während die Säulen" schäftc selbst wiederum zumeist nur die rohe Anlage zeigen. Noch auf- fallender endlich, und im allerhöchsten Maasse unantik, ist der Umstand dass auch die sämmtlichen Pilaster, die im Aeusseren und im Inneren des Gebäudes vorkommen, mit demselben, stark und unschön ausladenden Kapitale versehen sind, einer Form, die in dieser Anwendung später bei den Pilastern an der Westseite des Domes von Trier offenbar als Vorbild gedient hat, bei den letzteren aber durch flachere Behandlung sich in ein künstlerisches System schon wieder mehr einfügt. An einigen Stellen der Porta Nigra linden sich allerdings glatt und elegant behandelte Detailformen; diese gehören aber nicht dem ursprüng- lichen Bau, sondern einer schon wieder sehr ausgebildeten Kunstepoche an, und lassen somit auf das Uebrige keinen Rückschluss machen. Sie rühren aus der Zeit her, da das Gebäude als Kirche diente, die interes- santeren ohne Zweifel aus der Zeit, in welcher der Chor angefügt wurde. Dahin ist zunächst die Glättung der Formen an der Thür, die 8118 dem westlichen Flügel des Gebäudes auf die Stadtmauer führte, mit den an den Gesimsen angebrachten Kreuzen zu rechnen. Dann die zierlich deko- rirte Thür, welche von der Stadtseite her in das Obergeschoss desselben westlichen Flügels führte, und ebenso auch einige saubere Dekorationen gegenüber am östlichen Flügel. (Von den in der Rococozeit umgemeissel- ten Formen brauche ich natürlich nicht zu sprechen.) Nach meiner Ansicht haben wir hier somit ein Gebäude, welches bei einer noch entschieden römischen Grundanlage doch schon eine Behand- lungsweise der wichtigsten Detailformen erkennen lässt, die nicht mehr römisch zu nennen ist, sondern bereits barbarisirt und der nachrömischen, der byzantinischen Kunstepoche entsprechend erscheint. Ist dies richtig, so scheint es auch ganz angemessen, das Gebäude der Zeit der fränkischen Herrschaft, in der, wie oben bemerkt, die Anlage bedeutender Bauten nicht sofort unterblieb und in der die römische Cultur überhaupt einer ähnlichen Barbarisirung unterlag, zuzuschreiben. Will man den constan- liHiSChelh oder allgemeiner, den römischen Ursprung des Gebäudes sichern, so ist es vor allen Dingen nöthig, nachzuweisen, dass schon in römischer Zeit eine solche Umwandlung der architektonischen Formen stattgefunden hat, wofür es meines Wissens bis jetzt noch an dokumentirten Beispielen fßllll- Ich Will meine Behauptung keinesweges als eine völlig unwiderleg- liche aufgestellt haben; so lange aber eine solche Widerlegung, und zwar 1) Z. F. Ranke kircbe zu B. in der Gruftkirche der Wipertikirche bei Quedlinburg; s. und mir herausgegebene Geschichte und Beschraibung der Quedlinburg etc. (Thl. I. dieser Sammlung. S, 596, oben.) d ie von Schloss-