Etudes sur l'Allemagne. 47 grossen Arbeit, welche die Hälfte des zweiten Theiles ausfüllt und die im Titel genannte Geschichte der deutschen Malerei enthält. Der Styl des Verfassers ist nicht ohne eigenthümlichen Reiz. Er hat eine wirksam poetische Darstellungsweise und versteht es, die Gegenstände, die er verführt wenn auch dämmernd in dem Hauche einer elegischen oder sentimentalen Stimmung doch anziehend und lebenvoll zu ver- gegenwärtigen. Seine Schilderungen des Münsters von Freiburg, des einen Seitenportales am Strassburger Münster, des Thales und der Abtei von Laach u. s. w. gewähren eine unterhaltende Lectüre. Mit dem äsiheilßtliißn Standpunkte indess, den der Verfasser da, wo er Eigenes giebi, einnimmt, können wir uns nicht füvlieli einverstanden erklären' es ist der einer ein- seitigen Ußberschätzungades Mittelalters, den wir,Deutsche zwar auch kennen gelernt, als wir zuerst die Entdeckung gemacht hatten, dass das Mittelalter keineswegs eine Zeit der Barbarei gewesen sei. Die Franzosen sind uns in diesen romantischen Interessen etwas spät nachgefolgt: wir wollen hoffen, dass auch bei ihnen sich die Anschauung der vergangenen Kunstepochen läutern werde. Die vollendete Schönheit der gothischen Architektur zu würdigen, bedarf es keiner inissgünstigen Seitenblicke auf die griechische Architektur deren nicht minder vollendete Schönheit nur einem befangenen Auge unverständlich sein kann. Mit einer gewissen Entschiedenheit spricht sich der Verfasser über den historischen Entwickelungsgang der gothischen Architektur aus. Er sucht die Meinung der deutschen Alterthumsforscher, dass dieser Styl der Bau- kunst Deutschland eigenthümlich angehöre und somit aussehliesslich als "deutsch" zu bezeichnen sei, zu widerlegen, und reclamirt im Gegentheil die Ehre der Erfindung und Ausbildung dieses Styles für Frankreich. Schwerlich dürfte heutiges Tages sofern es sich überhaupt um kritisches Urthcil handelt noch Jemand in Deutschland zu finden sein, der jenem übelverstandenen Patriotismus noch weiter nachhinge; im Gegentheil haben diejenigen, die sich weiterer Forschung in diesem Gebiete unterzogen, die grosse und unzweifelhafte Bedeutung, die Frankreich für den Entwicke- lungsgang der gothischen Architektur hat, auch bei uns anerkangitä Jg, es fehlt neuerlich selbst nicht an deutschen Forschern, die ganz au er eite unsres französischen Autors stehen und den wahren Ursprung und die wahre Blüthe der gotliischen Baukunst nur in Frankreich finden. Es mag Somit nicht ganz unpassend sein auf die Ansichten des Verfassers über diesen Gegenstand und auf letzteren selbst etwas näher einzugehen. Ich binde mich hiebei indess nicht an die Reihenfolge der Gründe, die der Verfasser verbringt; ich ziehe es vor, diejenigen, die mir als die schwä- Cheren erscheinen, voranzustellen. Das Argument, mit dem der Verfasser, am Schlüsse seiner Untersu- Chungen, alle Widersprüche zu beseitigen sucht, ist philnSflphistf-her Art! „ieh will es versuchen, unsre Nachbarn mit ihren eigenen Waffen zu schla- gen". so sagt er. In der Kunst seien zwei verschiedene Tendenzen thätig, die ldec (la sozf de Fhyini) und die Phantasie; jene sei im Norden, diese im Süden zu Hause; jene strebe ins Formlose hinaus, diese arbeite auf die materielle Form hin; Frankreich habe aber die glückliche mittlere geogra- phische Lage so dass hier aus der Vereinigung beider Tendenzen die schönsten Resultate für die Kunst hervorgehen cmüssten. Ich will diese geographische Prädestinationslchre dahin gestellt lassen; nur die Lage der- Jenigen französischen Monumente, an denen Sißh ein eigenthümlicher go-