23 Seit König Maximilian I. während seines Wiener Aufenthaltes H o r sehe l ts Persönlichkeit und Leistungen kennen gelernt hatte, stand sein Entschluss fest, den Meister für München zu gewinnen. Auch Vesper- mann, Esslair und der damalige Intendanturrat Stich arbeiteten für ihn. Und so erging anfangs 1821 eine Privatanfrage Vespermann s, ob und unter welchen Bedingungen Hor s eh e lt für München zu gewinnen wäre. Dieser formulierte seine Wünsche, die alle genehmigt wurden, einzig mit Ausschluss der Bitte, seine Pension nach zehnjähriger Dienstzeit im Ausland (d. h. ausser Bayern) verzehren zu dürfen. Seine Berufung war schon gesichert, bevor dem Wiener Kinderballett das Todes- urteil verkündet wurde. Von einer Fortsetzung oder Verpilaixzung desselben nach München war nie die Rede, auch nicht von einer ähnlichen Glanz- und Prachtent- faltung. H orschelts Aufgabe war eine beschränkte. Das Ballett solle nur eine untergeordnete Stelle ein- nehmen, aber doch eine solche Haltung behaupten, dass seine Schwäche verdeckt und seine Leistungen für das Theater überhaupt möglichst gemeinnützig gemacht werden; es habe nur als Ornament für die Oper zu dienen und nebenbei kleine Divertissements aufzuführen, insbesondere aber die beliebte und deshalb auch ren- table Pantomime zu pflegen; Horsehelts Hauptaufgabe aber sei die völlige Umbildung der jetzt ganz skandalös darniederliegenden Tanzschule") Dafür wurde dem neuen Ballettmeister ein lebenslängliches Engagement mit allen pragmatischen Rechtenund einem jahres- gehalt von 3500 Gulden angeboten, wozu für die Leitung der Opernregie noch eine besondere Zulage in Aussicht gestellt blieb eine Summe, welche mit dem Gehalte eines Oberappellgeriehtspräsidenten rivalisierte und mit dem Honorar eines Peter Cornelius in keinem Ver- hältnisse stand, zumal wenn man bedenkt, dass dieser alle seine Schüler und Gehilfen bei seinen grossen Glyptothekgemälden aus eigener Tasche abzulehnen hatte! Horschelt griff fröhlich zu und trat am I5. Fe-