222 Anatomie der Tragödi n Politik viel gedacht. Wenn er aber daran dachte, hat er gewiss nicht gemeint, das Arbeiten für beide sei so vereinbar, dass ein Mensch sich für diese Mischung ernsthaft begeistern und hingehen könne. Ebenso nimmt Wallenstein zu den kirchlichen Gegensätzen, in deren Kampf er Initwirkend gestellt ist, eine ganz schwankende Stellung ein. Er ist früher selbst erst katholisch geworden und Wirft sich nun zum Vertheidiger der unterdrückten Protestanten auf. Ganz ihm gleich in völliger Unklarheit und Gleichgültigkeit den Fragen der Zeit gegenüber ist die Arlnee, an deren Spitze er steht und fällt. Es steht und fällt also mit ihm kein Princip, kein grosses historisch-politisches Streben. grossc, allgemein menschliche Leidenschaft persönlicher Herrschaft, die in ihm über- sein Charakter von vornherein kein sehr wir uns lebhaft erwärmen könnten. Aber Es ist nur die eine des Strebens nach grosser sprudelt, also gerade wie williähriger Stoff, für den auch ihn hat uns Schiller in menschlich verständliche Nähe gerückt durch den Gegensatz der schwachen, zusammengeküilstelten Hof- und Günstlingswirthschaft, durch deren Verachtung sein Selbstgefühl über alle Schranken wachst, durch den Rausch des Glücks, das ihn aus der Menschen Reihen herausgehoben, und durch das schöne Ver- hältniss zu den kriegerischen Schaaren, die ihm blindlings zu folgen (iurch den Zauber seiner dämonisch waltenden Natur gezwungen sind. Ist es auch keine gemeinsam patriotische Begeisterung, sondern nur der gemeine „Esprit de eorps", was unter ihm seine Armee zu einem grossen Ganzen verbindet, so verstehen wir doch, wie auch daran sich tief sittliche Bande der persönlichen Neigung, des Vertrauens an- knüpfen können, deren Abreissen edle, menschliche Herzen mit zer- reissen IIIIISS. Wenn sich getra uen kann, ZU Max Zll sagen : "Auf mich bist du gepflanzt, ich bin "Mir angehören, mir gehorchen, das "Ist deine Ehre, dein Naturgesetz," dein Kaiser. wenn sich seine königliche Hoffnung (lzirin gipfelt, auf dein blühenden Haupte seiner Tochter eine Krone zu sehen, und er nun an diesen beiden gerade die grimmigste Täuschung erleben und sie mit sich in's Verderben reissen muss, so vergessen wir ganz das Rohe in der von höheren Ideen ganz entblössten Herrschbegierde und fühlen nur den Schmerz dessen, dem ihre Befriedigung zerstört wird.