auf Schillers Wallenstein. mit Anwendung 217 sprünglich reinen Zustande, wie ihn der glückliche Genius bar bewahrt. Ihr gilt das grosse Wort des Dichters: umwandel- "Jenes Gesetz, das mit eherncr Hand den Sträubenden lenket, "Dir nicht gilfs. Was du thust, was dir gefällt, ist Gesetz." Wie natürlich also ist es und wie erhebend das Vollgefühl dieses un- bedingten Rechts der Selbstbestimmung, in einer grossen Seele noch seine volle Herrschaft behaupten zu sehen! Seine Erhaltung inmitten der beengentlen festen Schranken einer vielgliederigen Cultur, oder einer positiven Moral und Gesetzlichkeit ist das Ideal aller starken Seelen; alle ringen nach lälreiheit, aber nicht nach jenem abstracten, demokratischen Ideal der allgemeinen Freiheit, sondern nach dem sehr aristokratisch exclusiven der persönlichen Freiheit oder der vollen Geltendmachung des Einzelnen, die jedem (lresetz entgegengesetzt ist. Diese Entgegensetzung" ist es, für die jeder Held der grossen illrstgiidie sich selbst einsetzt. „Das Gesetz hat noch keinen grossen Mann gemacht; aber die Freiheit brütet Kolosse und Extremitäten aus." Nachdem Karl Moor dies Princip ausgesprochen, hat er nicht mehr weit zu der waktiscl1e1i Ausführung IlGSSGlbGII. "Räuber und Nlörder! mit (liescnl YVorte ist das Gesetz unter meine Füsse gerollt." Der grosse Mann als solcher hat nach Niemand zu fragen. Clavigo wird von Carlos unterrichtet, wie ausserordentliche Menschen auch darin ausscrorilentlicli sein müssen, dass sie kleine Rücksichten aus den Augen setzen, eine Pflicht einem Zwecke unterordnen dürfen. „Thut das der Gesetzgeber in seinem Staate, der Schöpfer in seiner Schöpfung, warum sollen wir es nicht thun ihnen gleich zu werden?" Gott gleich sein wollen, ist schon im Paradies die erste Quelle alles Uebels. Die griechische Mythologie und die Moral der griechi- schen "llragödie macht die Ueberhebung des Menschen, der sich mit den Göttern vergleicht, zur xierhangnissvollsten Verschuldung. Niobe vergleicht ihr Glück mit dem der Götter, Phaeton will den Sonnen- wagen lenken, in Oedipus lebt nur ein Princip, sich selbst allein zu vertrauen. Die Moral des Christenthums lässt ein solches Gefühl nicht aufkommen. Desshalb erklärt Lessing eine rein christliche Tragödie, d. h. in der nder Christ als Christ interessirt", für ein Un- ding, weil die leitende Idee desselben, die Demuth, "mit dem ganzen Geschäfte der Tragödie streitet", und Schiller verhöhnt das "Christ- lich-moralische" im Drama als das volle Gegentheil grosser tragischer