mit im Vergleich der Antike. 121 "Michelangelo schwelgt in dem prometheischen Glück, alle Möglich- keiten der Bewegung, Stellung, Verkörperung, Gruppirung der reinen menschlichen Gestalt in die Wirklichkeit rufen zu können." Ein andermal heisst es von seinen Werken: "überall präsentirt sich das Motiv als solches, nicht als passendster Ausdruck eines gegebenen Inhaltes." Mag das etwas übertrieben sein, wenn doch schliesslich in den grossen Ilauptwerken aus der Gestaltung ein grosser Gedankeninhalt hervor- leuchtet, so ist jedenfalls das richtig, dass man die ursprüngliche eigene Kraft der Erscheinung und sinnlichen Haltung der dargestellten 11101111 neben dem, was sie vorstellt, noch selbständig durchfühlt. So z. B. vor Allem in den grossen nackten Gestalten der Mediceergräber (Tageszeiten), die doch innner das vollendetste plastische Werk des Meisters darstellen. Man kann wohl die Stellung jeder derselben zer- gliedern und herausfinden, was sie bedeutet, Wie ich es oben mit der Nacht und Aurora versucht habe. Betrachtet man sie aber alle vier zusannnen, so wird 111311 geneigt, sich vorzustellen, dass die erste Idee, der erste treibende Gedanke zu ihrer Erfindung der Versuch war, auf wie verschiedene Art man den menschlichen Körper innerhalb einer i1n Ganzen ähnlichen Lagerung i1n Raume doch in sich noch hin und her drehen und Wenden könne. Hernach fand sich am Ende eine richtige lilotivirung. wird dies, wenn ähnliche doch zu jeder von ihnen Noch einleuchtender Posen kleinen und grossen Werken des Meisters, darstellen oder auch in denen seiner die etwas Nachahmer ganz Verschiedenes wiederkehren. Der- gleichen kommt auch sonst in der Kunstgeschichte vor, auch in der Antike, aber nirgends so auffallend und überraschend, wie bei lllichelangelo. Der Statue der Nacht sehr ähnlich ist bekanntlich das öfter wiederholte gewaltige Bild der Leda mit dem Schwan. Dieselbe Körperstellung ist hier zum Ausdruck einer sinnlichen Erregung ge- macht, die freilich zuletzt auch etwas von traumhafter Versunkenheit hat. Da kann man dann am Ende sagen, bei so einer ganz andern Verwerthung desselben Bewegungsinotives erscheint das eine Werk als ein Nebenproduct oder Abfall von dein andern. Oder aber auch beide als unabhängige nachträgliche Deutungen, die der Künstler dem ersten Wurfe seiner Erfindung gegeben hat, welcher ur- sprünglich ein ganz äusserliches Stellungsbild war. Jedenfalls liegt es näher, sich zu denken, aus der gleichen Erscheinung sei nach