201 Erfahrung. vDenn 1) wer von IRIS Wird nicht, wenn er es ver- suchen wollte, ein berühmteS Werk des Apelles oder Timanthes, welches uns Plinius beschreibt, auf eine würdige Weise wirklich darzustellen, etwas Abgeschmacktes oder der erhabenen Grösse der Alten durchaus Fremdes hervorbringen? Indem jeder sich nämlich seinem eigenen Naturell überlässt, bringt er anstatt eines köstlichen abgelegenen Weines, der Kraft und Milde ver_ eint, ein junges ungegohrenes Gewächs zum Vorschein, und beleidigt dadurch jene grossen Geister, welchen ich mit der höchsten Ehrfurcht nachstrehe, mich jedoch mehr begnüge, die Spuren ihrer Fusstritte zu verehren, als dass es mir, ich be- kenne es offenherzig, je einfiele, dieselben auch nur in der blossen Vorstellung erreichen zu könnena. Nehmen Sie gütig auf, was ich, durch unsere Freundschaft ermuthigt, mir die Freiheit genommen habe, Ihnen zu schreiben. Ich schmeichele mir mit der Hoffnung, dass Sie nach einem so guten vVorge- richt2)ß uns nicht die vHauptmahlzeitß verweigern werden, die wir alle so sehnlichst erwünschen; denn von Allen, die bis jetzt von diesem Gegenstande (der modernen Malerei) gehandelt, hat noch keiner unseren Appetit befriedigt. "Denn auf die Indivi- duen muss man eingehen, wie ich schon gesagt habe 3)a. Ich empfehle mich von ganzem Herzen Ihrem Wohlwollen und sage Ihnen meinen Dank für die Ehre, die Sie mir durch die Dar- bringung Ihrer F reundschaftsversicherungen, so wie des Buches erwiesen haben. Ich bleibe auf ewig der Ihrige. 1) Von hier ab bis zu dem Anführungs-Zeichen ist die Uebersetzung Waagen's benutzt. Hist. Taschenbuch von Fr. v. Raumer v. J. 1838, S. 277. 2) „Promulsis"; Vortisch, Speisen, die "bei den alten Römern zur Anreizung des Appetites zum Eingange der Mahlzeit gegeben wurden, etwa mit den „Entree's" heutiger Tafeln zu vergleichen. Im Gegensatz dazu steht die Haupt-Mahlzeit, „caput coenae". 3) Nam oportet venire ad individua, ut dixi.