XXVIII werden muss, wenn man zum Verständniss dieser ganzen Be- wegung gelangen will. Es war keine hloss zufällige, persönliche Abneigung, welche die Caracci zum Kampf gegen den Manieris- mus bewegt hatte. Ein tieferer Grund lag in der Zeit selbst und in dem veränderten Bewusstsein der Zeitgenossen, die nach einem festeren und positiveren Gehalt in der Kunst verlangten, als die Manieristen zu bieten im Stande waren. Diese Verände- rung im Leben der italienischen Nation war durch ein Ereigniss hervorgerufen, das überhaupt dazu bestimmt war, der modernen Bildung durchaus neue Bahnen anzuweisen. Die Reformation war in Deutschland um die Mitte des sechszehnten Jahrhunderts zu einem wenigstens vorläufigen Abschluss gediehen. Die Refor- mation nun hat nicht nur eine neue Welt des Glaubens und der Gesittung im Gegensatze zu der bestehenden Welt des Katholi- cismus geschaffen, sondern sie hat auch durch ihre Rückwirkung dieser letzteren selbst einen neuen Lebensathem eingehaucht. Im Norden und namentlich in Deutschland hatte sich während des ganzen fünfzehnten Jahrhunderts eine innerliche, gemüthliche und sittliche Durchbildung vollzogen. Der Geist des Volkes hatte sich hier ebenso in sich selber vertieft, als er in Italien und dem romanischen Süden überhaupt zu ausserlich glänzen- den Formen und Gestalten sich auseinander gelegt hatte. Das Resultat nun dieser Verinnerlichung des deutschen Geistes in Poesie und Leben, in Sitte und Kunst trat fast zu derselben Zeit in die Erscheinung, als das der gleichzeitigen italieni- schen Entwickelung. Hier zeigte es sich in der durchaus heite- ren, glänzenden und prächtigen Gestaltung des äusseren Le- bens, in der erneuten Blüthe antiker Denk- und Sinnesart; in Deutschland in der Vertiefung und Erneuerung des Glaubens und in dem Versuch, danach die Verhältnisse des Lebens neu zu gestalten. In Italien geht daraus die hohe Kunstblüthe hervor; in Deutschland die Reformation. Wunderbar, wie der Zeit nach diese beiden grossen Erscheinungen zusammenfallen. Es ist