XXIV Leidenschaftliche wirken, und nicht minder der Umstand, dass die meisten Gegenstände seiner Darstellungen dem gemeinen Leben entnommen, und auch die kirchlichen Darstellungen durchaus in gemeiner und niedriger Weise aufgefasst waren. nDenn aus Gemeinem ist der Mensch gemachte. Es ist in die- ser Beziehung Sehr bezeichnend, dass nach der Aeusserung eines Zeitgenossen gerade die vpopolani-x, die Leute des Volkes, grosses Gefallen an Caravaggids Werke gefunden hatten. Ein- zelne Kopf- und Brustbilder Caravaggiofs wurden bezahlt, wie historische Kompositionen anderer Meister. Grosser vBumora wurde von seinen Werken gemacht, als deren besonderer Pro- phet und Anhänger Prosperino delle Grottesche genannt wird. Auch für die spätere Zeit der naturalistischen Schule erklärt Lanzi den Umstand, dass man so wenig über die Personen der Künst- ler wisse, daraus, dass sie meist für Private gearbeitet haben. Zur monumentalen Darstellung war diese Kunstweise am we- nigsten geeignet. In diesem Erfolge Garavaggids bei den ge- wohnlichen Leuten liegt, wie in seiner Kunstweise selbst, Gutes und Schlimmes gemischt. In seiner heftigen Opposition gegen die hohle Scheinkunst der Manieristen hatte Garavaggio ganz Recht, die Natur wieder in ihr Recht einzusetzen. In der An- erkennung dieser einen Seite seiner Kunst kamen denn auch die Popolani mit den ersten Künstlern ihrer Zeit überein. Un- recht aber beging Caravaggio, indem er mit den falschen und hohlen Idealen des Manierismus alles Ideale und jeden veredelnden und erhebenden Gedanken aus der Kunst ver- bannte, und ebenso grosses Unrecht würde man begehen, diese ganze Kunstrichtung anders, denn als ein Durchgangsstadium billigen zu wollen. Die Kühnheit und Rücksichtslosigkeit, mit der Caravaggio seine Opposition gegen die bestehende Kunst- ansicht durchführte, ist der Grund gewesen, weshalb man ihn, wie z. B. Pointel und Kolloif gethan, als einen Revolutionär in der Kunst bezeichnet hat, ebenso wie der Anklang, den seine Kunst-