"271 Der bei Gaye (Cart. II. 236) abgedruckte Brief ist mit grosser Feinheit und mit derselben Vveltklughcait geschrieben, (lie Tizian auch in seinem Verhältnisse zu andern hohen Per- sonen immer geltend zu 1nachen wusste. Der Verkehr mit Federigo Gonzaga war, mach vielen Zeugnissen, ein sehr enger, ja von einer gewissen naiven Vertraulichkeit, Welche im XV. Jahrhundert noch häuüger War, zu der damaligen Zeit jedoch schon etwas seltener zu werdeu beginnt. Dahin kann man es z. B. rechnen, wenn Federigo am 7. Nov. 1532 au Tizian schreilvt, ,,er müchte ihm doch, wenn er nach Mantua käme, Fische besorgen; er würde ihm einen grossen Gefallen damit erweisen" (Gaye II. 249). Nicht minder bezeichnend für das freunclschaftliclle Ver- hältniss des Fürsten zu dem Künstler sind zwei Briefe des ersteren; der erste ist an die Gräün Elisabetta Pepoli ge- richtet und lautet folgenderlnaassen: FEDERIGO GONZAGA 3.11 ELISABETTA Gräfin PEPOLI. Mantua, 8. Juli 1530. Erl. Henrin! Es kommt in meineln Auftrage Messer Tiziano zu Euch, ein seltenel- and ausgcznichneter lNIzdc-xr und vortremicher Edelmarln, den ich wegen soiner bes0nc1erex1 Tu- genden ungemein liebe. Ich ersuche Euch, ihm ein freund- liches Gesicht zu machen und es nicht gering zu achten, Freundschaft mit einem solchen Manne zu halten und ihn Eurer Gunst zu Würdigen. Sodann müge mir Ew. Hem-I. den Gefallen thun, um den ich sie von ganzem Herzen bitte, clem besagten Messer Tiziano Gelegenheit zu geben, äie Signom Cornelia, seine Tochter, nach der Natur abzukonterfeiexx, in- (16111 mir dadurch ein grosser Gefallen von Ew. Herrl. er- wiesen würde, zu (leren Nutzen und Vvohlgefallen ich mich auf das geneigteste erbiete. Die in dem Briefe erwähnte Cornelia, die Tochter Ti- zian's (vgl. unten), war nach einem Briefe an den Bildhauer