136 treff der wunderbaren Kunst, der reichen Ornamente und der Grässe der Gebäude gemeldet werden, diese vielmehr als Fabeln, denn als Wahrheiten ansehen. Mir aber pflegt es anders zu ergehen; denn aus den Ruinen, die man noch zu Rom sieht, auf die Güttlichkeit jener alten Geister schliessend, erachte ich die Ueberzeugung nicht für unbegründet, dass viele Dinge für uns unmäglich scheinen, während sie für jene sehr leicht waren. Da ich nun also jene Alterthümer sehr eifrig erforscht und keine geringe Mühe darangesetzt habe, sie ganz genau zu untersuchen und mit Fleiss auszumessen, S0 wie durch das Lesen der guten Schriftsteller, die Werke mit den Schriften zu vergleichen, so glaube ich, einige Kennt- niss der antiken Baukunst erlangt zu haben. Dies nun verursacht mir durch das Verständniss eincr so ausgezeichneten Sache das grüsste Vergnügen und zu gleicher Zeit den grüssten Schmerz, indem ich, so zu sagen, den Leichnam jener edlen Vaterstadt, Welche die Künigin der Welt war, so jämmerlich zerrissen sehef) Wenn daher die Pietät gegen Aeltern und Vaterland jedes Menschen Schuldigkeit ist, so halte ich mich fiir ver- pflichtet, alle meine geringen Kräfte anzustrcngen, auf dass so viel als müglieh von dem Bilde und gleichsam von dem Schatten jenel- Stadt lebendig bleibe, die in der That die allgemeine Vaterstadt aller Christen ist und die eine Zeit lang so voll Würde und Macht War, dass die Menschen schon zu glauben anfingexl, dass sie allein unter dem Himmel über dem Schicksal stände und gegen den gewänlichen Lauf der Dinge vom Tode befreit und zu ewiger Dauer bestimlnt sei. Daher schien es, als ob die Zeit, die immer neidisch auf den Ruhm der Sterblichen ist, ihrer eigenen Kraft allein nicht vällig vertraut und sich mit dem Schicksal und den un- heiligen und verbrecherischen Barbaren verbunden hätte, die zu der gefrässigen Feile und dem vergifteten Bisse jener die frevelhafte Wuth und das Eisen und das Feuer und alle die Mittel hinzufiigtexl, die zu ihrem Verderben hinreichten.