130 der Einfluss des feingebildeten und in Sachen des Ge- schmackes, wie des äffentlichen Lebens gleich gepriesenen Mannes auf die Ausbildung des jungen Künstlers nicht hoch genug angeschlagen werden. Lag doch genug Verwandtes in der Natur Rafaels selbst, der den mannigfaltigen und oft sieh widerspreehenden Grehalt des damaligen Welt- und Geistes- lebens zu der einen gemeinsamen Verklärung der vollende- ten Schänheit zu erheben wusste. Die äussere Veranlassung zu dem Briefe scheinen einige Entwürfe gegeberl zu haben, die Rafael dem Grafen nach dessen eigener" Angabe gezeiclarnet batte, um danach aine Medaille fertigexl zu lassen, wie sie nach der Sitte der da- maligen Zeit an Hüten oder Baretten getragen zu werden pHegten (Passavant I. 233). Der Brief ist ohne Datum, lässt sieh aber wohl mit ziemlicher Gewissheit in die oben ange- gebene Zeit setzen. Die Galatea, des berühmte Freskobild Rafaefs in der Farnesina, ist 1514 vollendet. Auf diese nämlich bezieht sieh die schäne Aeusserung RafaeYs über die Idee oder des Ideal der Schänheit, die ihm den Mangel ganz vollendeter wirklieher Schünheit ersetzen müsste. Ebenso datirt aus diesem Jahre die fdrmliche Ernennung RafaePs zum Leiter des BaLIes von S. Peter. Aus der Art, wie dieser Ernennung in dem Brief Erwähnung gethan wird, glaube ich schliessen zu dürfen, dass derselbe später, als der an Simone Ciarla geschrieben ist. Damals (1. Juli) meldet Rafael aller- dings, dass er sich schon in jenem Amte befände; wie denn auch aus den von Fea bekannt gemaehten Aktenstüeken hervorgeht, dass er seit dem 1. April sein Gehalt bezogen Irat (Pass. 238). Die officielle Bestätigung fand aber erst durch das von Pietro Bembo in lateinischer Sprache ver- fasste Breve vom" 1. August statt, dessen Uebersetzung wir hier nach dem Text bei Bottari VI. 23 folgen lassen: LEo X. an RAFAEL. L August 1515. Indem 11m, ausser der Kunst der Malerei, in welcher die ganze Welt Eure Verdienste kennt, auch in BetreE der Baukunst als ein solcher von dem Arch. Bramante erachtet worden seid, dass er bei seinem Tode mit Recht mainte, es känne Euch der von ihm hier in Rom begonnene Bau des Tempels des Apostels S. Peter fürrler aufgetragen werclen, und da Ihr dies auch in so gelehrter Weise durch den Grundriss