DIE VERDIENSTE DER VANDALEN UM DIE KUNST. 69 erhaltung der verschiedenen Rassen und Volksstämme, vgl. nur den Nationalitätenhader in Österreich-Ungarn so muss auch die Kunst dies anerkennen und in ihren Werken gleichfalls als echt national sich zeigen. Eine kosmopolitische Kunst mag zwar in der Theorie etwas grossartiges sein, in der Praxis ist sie eine verkümmerte Eintagsfliege. Es ist oft gesagt worden die Könige und die Kirche hatten leicht stilvoll bauen, da sie Geld und Arbeitskräfte genügend zur Verfügung hatten. ja wenn nur unsere Bahnhöfe und Ka- sernen nicht wären. Bei ihnen fehlte es doch wahrlich nicht an Gelegenheit in voller Freiheit neue höchst interessante Probleme zu lösen, zu zeigen welche Hoffnungen der Nachwelt aus unserer künstlerischen Thätigkeit erblühen werden. Dass wir im Stande sind, wenn nur etwas guter Wille vorhanden ist, auch bei be- schränkteren Mitteln von der langweiligen Schablone abzu- weichen und selbst strengeren ästhetischen Anforderungen zu genügen, beweisen u. a. die modernen Postbauten. Im allge- meinen aber überall dieselben Konglomerate von etwas griechi- schem Tempel, geputzten norddeutschen Backsteinen, ägyptischen Pyramiden, gusseisernen Renaissancesäulen, maurischen Bögen, byzantinischen Kuppeln, gotischen Nasen mit italienischer Politur übergossen. Miet- und Militärkasernen, Bahnhöfe, Schulhäuser, so verschiedenen Zwecken sie auch dienen, gleichen sich unter- einander wie Zwillingsschxxrestern, ihre Duodezenkel sind dann die uniformen Cottages, die Schmerzenskinder unserer Bauge- sellschaften. Alle zum Verwechseln ähnlich, da eben Pläne wie Details aus der Universalmappe stammen. Von einer Individu- alität keine Spur, was auch nach dem statutarischen Polizeiregu- lativ höflichst verboten wäre. Alle Strassen zum Verwechseln gleich, passend wie in Mannheim nur mit Buchstaben und Ziffern benannt. So bringt es auch kein l-iaus mehr zu einem eignen Namen, höchstens zu einer nachts matt erleuchteten Haus-