selbst hält ihm die kunstreiche Lyra und begeistert ihn zum Ge- sange. An der Lehne des Thrones steht Eurydike in banger Er- wartung des Ausspruches, den Pluton über ihr Los fällen wird. Ueber die düstern Züge des Gottes gleitet ein leiser Hauch des Erbarmens für den Gatten, der seine Gattin von ihm erfieht, und gerührt erfaßt er die Hand seiner Gemahlin Persephone. Von dem süßen Einklang der Töne ergriffen, sehnt sich diese still trauernd „nach dem lieben Lichte der Sonne" zurück, WO der finstere Gott sie aus den Armen der Mutter Demeter geraubt hatte. Und wie ihr Flehen von dem Gatten erhört worden War die selige Wiedervereinigung mit der geliebten Mutter wird in dem Haut- relief unter dem Gemälde, wie in dem Basrelief über demselben der Raub der geliebten Tochter veranschaulicht ebenso wird die Bitte des edeln Sängers von dem strengen, aber menschlich fühlenden Pluton erhört. Der sittliche Geist der Familie, Gatten- liebe, Kindes- und Mutterliebe und die reine Freude am Kunst- schönen führen Orpheus zum Ziele, sie sind die Zauber-macht, welche die Schranke des Todes überwindet, sie sind die vernünftige, allerhöchste Kraft, die den Arm der strafenden Gerechtigkeit ent- waffnet, wenn dieser auch über jene Schranke hinaus den Frevler erreicht. Im zweiten Wandgemälde des Göttersaales ist bloß und allein die Zaubermacht der menschlichen Kunst und im dritten und letzten ebenso bloß und allein die Größe der lohnenden Gerechtigkeit dar- gestellt. Dort lauscht alles der Harmonie, die von Arions Lyra erklingt. Ueber den glatten Meeresspiegel kommt rechts Poseidon mit Amphitrite auf, dem Muschelwagen gefahren, aber Eros hält mit purpurnem Zügel das Gespann der Seepferde an, wie er den Gesang Arions vernirnmt. Der voranschwimmende Triton will zwar, ins Muschelhorn stoßend, die Pferde anfeuern, jedoch ein älterer Gefährte, der horchend die Hand ans Ohr gelegt hat, zieht ihm die Muschel vom Munde. Nebenan klettert ein Tritonenknabe auf den Rücken des graubardtigen Alten, um den Sänger zu sehen, und streckt begeistert ihm einen Korallenast entgegen, ein anderer taucht aus der Flut herauf und reicht ihm Fische dar. In schöner Gruppe drängen sich vier Nereiden an den Sänger heran: die hintersten in süßem Entzücken an einander gelehnt und vorgeneigt,