steigert. In der Pracht der Morgenröte bricht der junge 'l'ag hervor, Aurora, „die frühgeborene, die goldenthronende", wie sie von den Alten genannt Wird, fahrt im Safrangewande mit dem Zwiegespann der weißen Füllen empor, sie streut, „die roseniingerige", Blumen, die geleitenden Horen gießen Tau auf die Erde herab. Helios aber fahrt auf dem goldenen Sonnenwagen mit dem Viergespann der schnaubenden Rosse daher wie ein Triumphator, die Horen streuen Blumen und Früchte. Luna endlich fahrt im ruhigen Schritt mit dem Zwiegespann der schüchternen Rehe einher, ge- leitet von den Abendstunden, zwei lieblichen Mädchen, die leise heranschweben und traulich flüsternd einander umschlingen. Wie in der Komposition tritt die eigentümliche Schönheit von Morgen, Mittag und Abend auch in der Farbengebung und Beleuchtung hervor. Der Morgen hat ein frisches Kolorit und scharfe Lichter und Schlagschatten, die durch keine Reflexe gebrochen sind. Der Mittag aber scheint ganz in ein Lichtmeer getaucht und glüht in den wärmsten Tinten. Der Abend endlich ist in sanften Farben- schmelz und weiches Dämmerlicht gehüllt. Es liegt tief in der Intention unseres Künstlers begründet, daß hier rein das Natur- schöne in dem vollen Aufwand malerischer Darstellungsmittel er- scheint. Apollon ist hier bloß Naturgott, nämlich Sonnengott, und daher ist absichtlich in der ganzen Bilderreihe die Lyra als Symbol des Kunstschönen und als Attribut des Musagetes weg- gelassen. Helios-Apollon hält mit beiden Händen den Tierkreis und Luna die zu- und abnehmende Mondsichel über dem Haupte empor zum Zeichen, dalä sie mit den Naturgebieten, in denen sie walten, wesentlich eins und dasselbe sind. Den christlichen WVeltschöpfer als auläerweltliche Intelligenz hingegen hat Cornelius anderwärts, in der Ludwigskirche, so dargestellt, dafä er bloß mit dem Zeigefinger der Sonne und dem Mond ihre Bahnen vorschreibt, und der Zodiak frei über seinem Haupte schwebt. YVie vorhin im ersten Bilde dieser Reihe die Schicksalsschwestern keine sittlich vergeltenden Machte waren, so bedeutet hier das Tagesgeschwister Aurora, Helios und Luna keine künstlerisch waltenden Gottheiten, sondern nur mythische Personifikationen des Naturschönen, wie es im Wechsel der Tageszeiten erscheint. Eben dieses Naturschöne ist nun das Gebiet des rein sinnlichen