wiederholt worden ist: Ich bin der Herrscher, ich will's, anstatt der Vernunft sei die Willkür! Schon im ersten Jahrhundert des Kaiserreichs verglich Persius die Willkür mit der gesetzlichen Freiheit der römischen Republik und fragte: Kann ich nicht thun, was ich will? Bin ich nicht freier als Brutus? Dem herrischen Geiste des Römertums begegnete im Zeitalter des Verfalls der Republik und in den ersten Jahrhunderten der christlichen Aera die freie griechische Bildung in Wissenschaft und Kunst, und diesem historischen Gegensatz verdankte die von Thorvaldsen in den römischen Sammlungen entdeckte antike Reliefkomposition, zwar nicht ihre Entstehung, aber ihre Verbreitung in ähnlicher Weise, wie das von Raphael in dem Gemäldecyklus der Farnesina dargestellte antike Märchen von Amor und Psyche offenbar den letzten Niederschlag platonischer Elemente in sich birgt, aber in der uns überlieferten Gestalt der späten römischen Litteratur und dem zweiten christlichen Jahrhundert angehört. Als Thorvaldsen jene antike Reliefkomposition selbständig reproduzierte, verstand er die Beseelung des Thongebildes durch Prometheus und Pallas in demselben Sinne, wie schon Michelangelo den von Auge und Hand des Schöpfers beseelten Adam nicht nach dem künstlerisch wertlosen Motiv der Genesis, sondern nach der platonischen ldee des Ebenmaßes von Vernunft und Wille gebildet hatte. Denn die auffallende Veränderung, die er an der antiken Komposition vernahm, hat Thorvaldsen von Michelangelo entlehnt. Im antiken Relief der Sophrosyne steht das Menschenbild zwischen den beiden menschenfreundlichen Gottheiten bloß empfangend und unentschieden, nach welcher Seite es sich wende. lm Basrelief Thorvaldsens aber kehrt sich der Menschenkopf sogleich, wie Pallas den Schmetterling emporhält, aus freiem Antrieb zur Göttin hin, und Aug" in Auge versenkt sich die gottverwandte, vernunftbegabte Menschenseele in die Anschauung des Ideals der Vernunft, der Gottheit. Dieses schöne Motiv ist unzweifelhaft platonisch, aber" Thorvaldsen hat es nicht, wie Michelangelo, aus erster Hand empfangen, d. h. von Platon oder von der platonischen Akademie in Florenz, sondern es ist ihm aus der Hand Michelangelos zu teil geworden. Jedoch gerade da, wo Thorvaldsen und Michelangelo in demselben Gedanken zusammentreffen, und jener von diesem