259 diese oder jene Lustquelle versagt ist, also in negativem Bezuge zu uns steht; aber dann ist es entweder für un s keine Lustquelle, oder ihre Erreichung kommt in Conllict mit Bedingungen, auf die sich die positive Erhaltung unsres Lustzustandes im Uebrigen grün- det, oder überhaupt mit andern überwiegenden Lustbedingungen. Ob bei dem Gedanken an unsre eigne vergangne oder zukünf- tige Lust oder Unlust der positive oder negative Bezug überwiegt, hängt im Allgemeinen an Bestimmungsgründen, die in unserm übri- gen Vorstellungskreise liegen, und lässt sich einer Obmacht dieser Bestimmungsgründe gegenüber nicht erzwingen, daher das Glück der Vorstellungslust nicht erzwingen. Wenn wir wissen, dass eine Lust für uns nicht erreichbar ist, so kann sich der positive, Vor- stellungsbezug, dass wir sie haben wertlen, nicht geltend machen; und sind wir überhaupt im Zuge unlustvoller Vorstellungen be- griffen, so wird sich auch die Vorstellung an vergangenes Glück leichter mit der Unlust, dass wir es nicht mehr haben, als der Lust, dass wir es gehabt haben, diesem Zuge einfügen. DerUmstand selbst aber, dass es uns lustvoller ist, zu hoffen als zu fürchten, über- haupt den positiven vor dem negativen Bezuge der Lust zu bevor- zugen, macht, dass wir jene wirklich im Allgemeinen bevorzugen, wo keine oder nur verhältnissmässig schwache gegenwirkende Momente vorhanden sind, begünstigt unsere Hoffnungen, bestimmt unsere Antriebe, und spielt eine wichtige Rolle in unseren religiö- sen Glaubensansichten, indem wir im Allgemeinen vorziehen, das zu glauben, was uns am meisten zusagt zu glauben, so lange nur eben keine überwiegenden Gegenmotive sich geltend machen; ja selbst starke theoretische Gegenmotive können dadurch überboten werden. Zwar giebt es Melancholiker und Pessimisten, welche Alles schwarz sehen oder den Glauben an eine schlechte Weltordnung vorziehen. Aber bei dem Melancholiker werden die Vorstellungen von seinen unlustvollen subjectiven Empfindungen mit inficirt, und der Pessimist ist, meist durch traurige Erfahrungen, die er selbst gemacht oder die seine Aufmerksamkeit vorzugsweise in Anspruch genommen, zu seiner ungünstigen Ansicht von der gesammten Weltordnung geführt worden. Beidesfalls liegt ein Conilict vor, in welchem das Grundmoment der Vorstellungslust den Kürzern zieht. Handelt es sich um die Vorstellung der Lust oder Unlust Andrer, so kommen unstreitig verwickelte psychologische Momente 47 s