229 weisses. Schon kleinen Mädchen gewöhnt man durch das weisse Kleid die Reinlichkeit an; bei Knaben aber WäPB es umsonst, und so lasst man sie lieber in dunkler Kleidung mit dem Strassenstauhe verkehren. Nicht bloss Frauen, auch Engel kleiden sich in Betracht ihrer Unschuld und weil sie keine individuellen Neigungen haben, gern in Weiss und würden es noch öfter thun, wenn nicht die Maler ihren Farbensinn oft sehr verkehrt an ihnen beweisen woll- ten und sie daher nach Möglichkeit herausputzten. Bei allem Wechsel des Kleides zwischen verschiedenen Far- ben, Schwarz und Weiss ist die Leib-, Bett- und Tischwäsche für Mann und Frau und Kind bei jeder reinlichen Nation ü) immer Weiss geblieben; an dieser Felsenfestigkeit bricht sich alle Mode; trotzdem, dass es weniger Wäsche federn würde , wenn man weniger Weiss dazu foderte. So stark überwiegt die Federung des Eindruckes der Reinlichkeit die äussere Zweckrücksicht. Nirgends aber macht sich auch diese Federung so energisch als in diesem Falle geltend und geht so lebhaft in das associative Gefühl ein. Auf Frauen namentlich übt weisse Wäsche eine Art Zauber laus, wodurch ihnen die sinnliche Oede des Weiss verklärt wird. XVas dem Bankier ein Iclaufen Goldes, ist der Frau ein Haufen weisser Vfäsche vor den Augen, indem sie nicht blos den Eindruck der Reinlichkeit des Zeuge-s selbst, sondern den eines ganzen Men- scheu, einer ganzen Wirthschaft dadurch empfängt. Bei Tischzeug aber tritt zum Motiv der Reinlichkeit noch ein andres Motiv hinzu, das Weiss vor Farben zu bevorzugen, dass es nämlich beim Gebrauch des Tischzeuges ausdrücklich vielmehr auf Beschäftigung des Geschmacksinnes als Gesichtsinnes abgesehen ist. Nun könnte man Schwarz in dieser Hinsicht als noch weniger störend vorziehen wollen. Aber theils würde Schwarz die Asso- -ciation der Reinlichkeit nicht in gleichem Grade mitführen, theils kann unter Umständen die Mitanrcgung des einen Sinnes, falls sie nur nicht zum Uebergewicht gedeiht, die des andern unterstützen. Ein Concert hört man desshalb lieber im Hellen als im Dunkeln, und so wird man auch lieber von einem weissen als schwarzen Tischtuche speisen. So sehr nun Weiss in allen Fällen als Zeuge der Reinlichkeit n; Die in ihrer Wäsche sehr unreinlichen und selten dieselbe wechseln- dcu Perser tragen hiegegen grossenllmeils dunkelblaue haumwollene Hemden.