484 linden, ja besorgen können, dass es hei Darstellung in einem verkleinerten Massslalse sich dem Eindrucke eines Genrehildos zu nähern anfange, woge- gen die goldne Hochzeit, im Massstabe des Hussbildes ausgeführt, uns einen Theil des idyllischen Charakters, der so viel zum Reize des Bildes beiträgt, zu verlieren scheinen würde. Der Grund unserer Stil-Regel dürfte ein doppelter sein. Ein- mal tritt wegen der (iurohgreifenden Wechselbesiimmtheit aller Momente des Geistes die äussere Grösse direct als mitbestimmender Faetor für den Eindruck der innern auf, und steigert ihn dadurch. Soll nun das Kunstwerk seinem Inhalte nach einen über das Ge- wöhnliche erhabenen Eindruck machen, so wird derselbe durch eine das Gewöhnliche übersteigende äussere Grösse nach diesem Principe unterstützt. Soll es keinen machen, sondern aus an de- rem Gesichtspunrto befriedigen und verschiedener Momente in dieser Hinsicht haben wir oben gedacht so erscheint uns die Bedeutung seines Inhaltes durch die ungewöhnliche äussere Grösse unangemessen übertrieben. Bemerken wir dazu, dass die Kunst; eines äusseren stilistischen Hülismittels, den Grad innerer Bedeu- tung eines Gegei Standes zur angemessenen Geltung zu bringen, viel mehr als die Natur bedarf, weil sie nicht wie diese die ganzen Präcedentien, die ganze Umgebung und das ganze Leben des Ge- genstandes mitgeben kann, welche uns diese Bedeutung verrathen. Die äussere Grösse tritt also so zu sagen als symbolisches Substitut dafür ein, und scheut sich sogar dabei nicht, die Naturwahrheit aufs Gröbste zu verletzen, indem sie die Figuren und sonstigen Bestandstücke ihrer Werke bald weit über bald weit unter ihrem Naturmasse darstellt. nES giebt, sagt einmal F. Kuglerfl, Gegenstände so grossar- Ligen, hochtragischen Inhaltes, dass sie die volle Gewalt und Er- hahenheit ihrer Existenz nur in einem gleich grossartigen Mass- stabe aussprechen könnenß Er sagt es, indem er den so viel mäehtigeren Eindruck, den Kaulhachs Hunnensehlacht, im Grossen für die Gallerie des Grafen Baezynski ausgeführt, macht, mit dem vergleicht, welchen der frühere kleinere Garten desselben Bildes machte. Bei Modellen erhabener Bauwerke kann sogar der Eindruck der Erhabenheit merklich ganz verloren gehen. Zum vorigen inneren Grunde aber tritt ein äusserer. Bildern Kuglers Museum. Jahrg.