442 man das Atelier nicht zu verlassen, denn die Maschinerie zu sol- chen Darstellungen findet sich schon in früheren Bildern und in Gostümbüchern. Also hat Rahls Regel jedenfalls den Vortheil der Bequemlichkeit für den Maler. Inzwischen haben wir damit, dass wir den Realismus histo- rischer Darstellungen Rahl gegenüber vertraten, doch den Idealis- mus in Rahls Sinne nicht überhaupt verwerfen wollen. Es gilt nur, anstatt ihn einseitig zu predigen, ihm seine rechte Stelle an- zuweisen. Er wird sie mit grösstem Vortheil da finden, wo der Maler den Stoff für seine Darstellung vielmehr aus der Dichtung oder Sage, als Geschichte schöpfen muss; überhaupt weder die Unterlagen für eine treue Darstellung noch ein Interesse an solcher vorfindet, Puncte, die im Allgemeinen zusammentreffen. Eine Amazonenschlacht, einen Kampf aus dem trojanischen Kriege kann der Maler nur dichterisch frei behandeln, weil die Geschichte selbst sich hier in Dichtung verläuft, und eine Zerstörung Jerusalems kann trotzdem, dass sie historisch ist, nicht historisch treu vom Maler wiedergegeben werden, weil die Anschauung dazu fehlt, die Nachrichten dem Maler keinen hinlänglichen Anhalt bieten, und eine möglichst treue Vorführung keinem Interesse beidem, jenemEreig- niss fern stehenden, Publicum begegnen Würde. Also ist es in der Ord- nung, wenn hier überhaupt kein Hauptgewicht auf die Befriedigung eineslnteresses an realistischer Wahrheit gelegt wird, was sich doch nurunvollständig befriedigen lässt, indess man wohl versuchen kann, ein wirksames Motiv für Darstellung einer allgemeinen welthisto- rischen Idee daraus zu machen, wie von Kaulbach geschehen. Da- bei wird dann im Sinne der Betrachtungen S. 64 vielmehr auf den geläufigen und durch die Kunst selbst geläufig gemachten Vorstel- lungen von den Trägern solcherldeen, als aufStudien über die wirk- lichen Physiognomien und Trachten der alten Juden und Römer zu fussen sein. In dieser Hinsicht ist unstreitig selbst der Realismus eines Vernet zu Weit gegangen, wenn er das Resultat der wirklich von ihm angestellten Studien, dass die alten Juden im Allgemeinen und bis in viele Particularitäten hinein wie die heutigen Araber ausgesehen, gekleidet gewesen, sich benommen, dahin verwerthet hat, die Patriarchen, Propheten und biblischen Persönlichkeiten überhaupt als braune Araber darzustellen. Was hat er damit ge- wonnen und was ist damit gewonnen"? Er tritt damit aus unsern geläufigen Vorstellungen heraus und befriedigt blos ein der Kunst