129 Wahrheit hängt, geschwächt und das Interesse, was man insbe- sondere an der Wahrheit einer Po rträ tstatue nimmt, nicht befrie- digt wird. Ein Monument, was den Menschen in voller Treue wiedergiebt, wird in dieser Hinsicht immer einen stärkern Ein- druck machen, nur leicht den Zweck des Monuments verfehlen, wenn die äussere Erscheinung des Menschen dem monumentalen Charakter widerspricht. Am glücklichsten, wo ein Conllict in die- ser Hinsicht nicht besteht, und der Künstler seinen Mann wie jener Steinmetz, dessen ich S. 39 gedachte, seinen Kaiser abkonterfeien kann; aber allerdings sind Cönilicte der Art nicht selten. Ein frappantes Beispiel der Verlegenheit, den Conilict zu lösen, ja der Unmöglichkeit ihn glücklich zu lösen, bot das im Wiener Stadtpark aufzu- stellende Monument für den Lieder-Componisten Franz Schubert darf) Zur Errichtung desselben war ein Capital zusammengebracht und drei Künstler, Wiedemann in München, Kundtmann in Rom und Pilz in Wien eingeladen, sich mit Skizzen an der Concurrenz um die Ausführung zu betheiligen. Keine der drei Skizzen genügte, und wie war es auch möglich, sagt der Berichter- statter awo wie bei Schubert nicht nur der geistige Mensch, mit seinem tief innerlichen , feinbesaiteten, Seelenleben, sondern auch die äussere Erschei- nung in ihrer charaktervollen unschönen Derbheit so wohl unter sich; als mit den Stilgesetzen der Plastik in Widerspruch gerathen. Diesen fast wie der edle John ins Breite gegangenen Körper, diesen feisten Krauskopf mit den Schlemmerlippen und der bebrillten Stumpfnase , wer will ihn uns bilden in ganzer Figur, wer kann es, ohne seinem eigenen, dem Genius des göttlichen Sängers Eintrag zu thun, der für uns der Inbegriff alles Zarten und Innigen, die Psyche des deutschen Liedes selber iSLn Wiedemann hatte die Erscheinung Schuberts mit der Unordnung seiner llaare, dem freistehenden Vatermörder, dem ausgerundeten Bäuchlein so naturalistisch wiedergegeben, dass die geistige Bedeutung des Mannes darüber nicht zur Aussprache kam, vielmehr derselbe erschien vwie ein äusserlich wohlconditionirter Beamter, der sich in nachdenklicher Stellung zwischen Daumen und Zeigefinger eine Prise aufbewahrt, mit der er, sobald ihm der richtige Gedanke gekommen, seine Nase belohnen wirdq; wogegen der PilzQ sehe Schubert nin seiner echt plastischen, das Kleine und Kleinliche ver- schmähenden, Haltung, mit dem Ausdrucke des Nachdenkens, des künst- lerischen Denkens einen günstigen Gesammteindruck machte, aber sich ganz fremdartig gegen den wirklichen Schubert darstellte, vkeinen traulich an- sprechenden Zug desselben enthieltu Ebensowenig befriedigte Kundtmanns Skizze. Der Berichterstatter empfiehlt nun , um die Schwierigkeit der Aufgabe, die sich einmal nicht heben liess, wenigstens zu redueiren, statt einer ganzen Beiblatt zu v. Lützovfs Zeitschr. f. bild. F e eh n e r, Vorschule Aesthetik.