405 leichter Faltenwurf verdanken im Allgemeinen solchen Gründen ihre Wohlgefälligkeit. Wie wundervoll ist auch in diesen Be- ziehungen die Sixtina. Man glaubt schon in dem Sohwunge des Gewandes der Madonna, der massiven Schwere des Kleides des Sixtus, und der Weise, wie sich das Kleid der heiligen Barbara zusamniennimmt, die Höhe, die Würde, die Demuth dieser Perso- nen zu erkennen. Die Gesammtheit von all' dem aber, was so zum Gefallen an einem Faltenwurfe beiträgt, ist es, was sich unklar im Ausdrucke eines schönen Rhythmus desselben zusammenfasst. Denn um sich zu überzeugen, wie wenig dabei auf einen directen, so zu sagen musikalischen Reiz, den man bei jenem Ausdruck im Auge zu haben pflegt, zu rechnen, braucht man sich das Kleid mit dem schönsten Faltenwurfe blos abgezogen von aller Beziehung zum Menschen als reines Ding für sich vorzustellen, was doch so schwer nicht sein kann sich etwa zu denken, man fände ein solches Ding auf dem Felde gewachsen, und sich zu fragen, ob man an den rein anschaulichen Verhältnissen desselben noch Ge- fällen finden wurde; Womit nicht geleugnet, vielmehr oben aus- drücklich zugestanden ist, dass diese doch einesfalls günstiger lie- gen können als andernfalls, wonach das Hülfsprincip sie mit zur vortheilhaften Geltung bringen kann. Auch die Verzierungen bieten ein sehr ausgedehntes Feld für die Stilistik nach beiden Seiten des Stils zugleich dar, sofern sie zugleich bezeichnend und schmückend wirken können, und ge- währen hiemit eine Fülle von Beispielen zur Erläuterung der allge- meinen Stilregeln; doch lassen wir ihre Betrachtung hier bei Seite, um vielleicht anderwärts darauf zurückzukommen. XXVII. Idealisiren. Auch bei der Idealisirungvhaben wir von verschiedenen Auf- fassungen und Wendungen des Begriffes zu sprechen, zwischen denen man vielmehr sich willkürlich zu entscheiden, als klar ans- cinander zu setzen liebt.