84 bessern Genrebildern nicht gern sagen, dass sie überhaupt stilisirt seien, indem man factisoh unter einer stilisirten Darstellung in der bildenden Kunst eine solche versteht, in welcher nach einer, in einer bestimmten Kunstrichtung hergebrachten, Weise sei es aus untriftigem oder triftigem Motiv von der Natur über das Nothwen- dige hinaus abgewichen ist. S0 z. B. nennt man die antiken Pferde stilisirt, die den natürlichen in mehreren Beziehungen nicht glei- chen, nicht minder eine Darstellung moderner Gegenstände in mehr oder weniger antikem Gepräge. S0 gut als in antikem Sinne könnte aber eine Darstellung auch in chinesischem Sinne stilisirt sein. Ausserdem giebt es Schuldefinitionen des Stilisirens, wie wenn E. Förster in seiner Vorschule der Kunstgeschichte S. 439 sagt: vEine stylisirte Form in der bildenden Kunst ist eine auf den einfachsten Ausdruck gebrachte Bezeichnung des Gegen- Stillldßsa; was mir jedoch den üblichen Sinn nicht zu treffen scheint; und vollends wiire der gute Stil ein armseliges Ding, wenn man ihn nach dieser Definition seiner Ableitung beurtheilen wollte. Eine Art Eigensinn des Sprachgebrauches scheint es mir zu sein, wenn man in gewissen Fällen, die sich der weitsten Fassung "des Stilbegriffes unterordnen lassen, (indem es sieh dabei doch auch um eine, mehrern Kunstwerken aus einem gewissen Gesichtspunete zukommende Gemeinsamkeit handelt), lieber von Manier als Stil spricht. Einmal versteht man unter Manier eine, in den Be- dingungen der technischen Verfahrungungsweise oder Handhabung 41er Mittel oder in der Nachahmung eines gewissen Musters be- gründete Gemeinsamkeit der Form- oder Farbegebung, so, wenn man von Kreidemanier, Tuschmanier, einer Manier des Farbenauf- trags, einem in Raphaels Manier gemalten Bilde u. s. w. spricht, ohne daran wesentlich den Begriff des Fehlerhaften zu knüpfen. Man würde in der That statt dessen nicht von Kreidestil, Tusch- stil u. s. w. sprechen mögen; wenn schon man meinen sollte, da das Aeusserliehe der Form und Farbe dem Griffel (Stil) naher liegt als der Hand, hätte die umgekehrte Bezeichnung näher gelegen. ln einem andern Sinne aber setzt man Manier dem Stil im engern Sinne oder guten Stil als etwas Fehlerhaftes gegenüber, indem man darunter eine, in der Subjectivität des Künstlers oder einer Kunst- schule begründete, Gemeinsamkeit der Form- oder Farbegebung versteht, die weder durch sachliche Angemessenheit noch die Vor-