21 sieh ausdrückt, fällen? Mit einem Worte: hat die Kunst mehr das Interesse am Inhalt oder der Form zu befriedigen? Es wird sich zeigen lassen, dass dieser Streit wie so viele vandre Streite zum Theil" darauf beruht, dass man sich über den Streitpunct nicht recht versteht; in so weit es aber gelingt, ihn klar "zu stellen, zeigt er sich als der Streit zweier Einseitigkeiten, die sich zu vertragen haben. Von vorn herein zwar könnte man mei- nen, er lasse sich einfach durch die Regel schlichten, dass die Kunst überhaupt nur Gegenstände darzustellen habe, bei denen ein werth- voller Inhalt zugleich Bedingung einer schönen Form ist; aber hie- gegen würde sich der Form-Aesthetiker sehr sträuben, indem er der Kunst zutraut, selbst an sich werthlosen Gegenständen oder solchen von negativem Werthe durch die Darstellungsform Werth verleihen zu können; und wie man auch Form und Inhalt gegen einander abgränze, so kann man den Werth von Kunstwerken "nicht von einem Parallelismus beider abhängig machen. Um nun den Streit vor Allem zu fassen, wie er geführt wird und Form und Inhalt dabei aus einander und gegen einander ge- halten zu werden pflegen, lassen wir zuvörderst den Form-Aesthe- tiker bezüglich eines Beispieles sprechen. Dass Bacchus dem Amor eine Schaale mit Wein reicht, kann den Inhalt eines Gemäldes oder einer plastischen Gruppe bilden. Da wir nicht mehr an die alten Götter glauben und das Darreichen eines Trankes eine ganz unbedeutende Handlung ist, so hat dieser Inhalt kein Interesse, was ihn der Mühe Werth machte, dargestellt zu werden. Aber er gewinnt ein grosses Interesse dadurch, dass er Gelegenheit giebt, schöne und charakteristische Menschenformen und diese in anmuthiger stilmässiger Stellung und Zusammen- stellung anzubringen; und selbst, wenn wir. über jenen Inhalt in Zweifel blieben, nicht wüssten, dass es sich um Bacchus, Amor, um einen erweckenden oder einen Schlaftrunk handelt, yvürden die Gestaltungen, Stellungen, die stilmässige Zusammenstellung, -die gelungene Charakteristik der vollen Blüte der Männlichkeit ge- genüber der reinsten Blüte jugendlichen Alters, der Darstellung noch Eindruck und Werth verleihen. Hiegegen hilft es bei einer mangelnden Darstellungsform dem Künstler nichts, wenn sich ein noch so werthvollerlnhalt des Werkes deutlich genug verräith, ja das- selbe wird um so mehr missfallen, je mangelhafterdie Darstellung in Verhältniss zum Werthe des Inhalts erscheint, wogegen der unbe-