13 Rücksicht auf ihre Angemessenheit und Deutlichkeit mehr gefallen als andere. 4) Die in dieser Hinsicht für das Ganze des Werkes massgebenden Gesichtspuncte auch für das Einzelne aber nur in Unterordnung unter das Ganze massgebend zu halten. 5) Bei ein- tretenden Gonflicten zwischen diesen Regeln jede der andern so weit nachgeben zu lassen, dass das grösstmögliche und Werth- vollste Gefallen im Ganzen dabei herauskommt. Man darf wohl sagen, dass in diesen Regeln alle Regeln der bildenden Kunst überhaupt inbegriffen sind; nur sind sie nicht eben so leicht für den einzelnen Fall daraus zu holen, als darin einzuschliessen. Der rechte Künstler trägt sie im Gefühl und ver- werthet sie im Werke; Aufgabe des Aesthetikers ist, sie verstan- desmässig auseinanderzusetzen, so weit es eben verstandesmässig geht; und so werden wir auch unsrerseits diess in folgenden Ab- schnitten versuchen. der und Kritik Bemerkungen über Analyse Kunstwerke. Ein Kunstwerk kann uns gefallen oder missfallen, ohne dass wir uns die Momente und Gründe des Eindruckes und seiner Be- rechtigung besonders zum Bewusstsein bringen; in sofern es aber geschieht, üben wir ästhetische Analyse und Kritik an dem Werke. Durch solche wird der Genuss, den wir vom Eindrucke des Kunstwerkes selbst erwarten, unmittelbar nicht erhöht, vielmehr in gewisser Weise gestört, daher bei Manchen ein Vorurtheil dage- gen besteht. Man muss sich, sagen sie, dem Eindrucke eines Kunstwerkes nur möglichst rein hingeben, um den wahren und vollen Genuss davon zu haben. Die Empfindung der Schönheit ist keine Sache des Verstandes. Inzwischen kann von Störung des Genusses durch Reflexion auf dessen Momente und Gründe doch nur in sofern die Rede sein, als die Reflexion mit dem Genusse gleichzeitig geübt werden soll ; aber da jeder ästhetische Genuss sich allmälig erschöpft, kann sie recht wohl mit unterlaufend oder nachher geübt werden, und man dann bereichert durch das ästhetische Verständniss zum Genusse zurückkehren. Das ästhetische Verständniss aber trägt nicht nur