230 nur mehr oder Weniger durch die Travestirung, sondern äqui- librirt sich so zu sagen damit, kann jedenfalls sich nicht mehr mit ihrem vollen Werthe anschaulich geltend machen. Wo nun der Zweck ein so unbedeutender ist, dass wir dem ästhetischen An- spruch auf seine reine Geltendmachung in der Erscheinung nicht viel Gewicht beilegen, kann der Reiz der Travestirung in Ver- bindung namentlich mit einem Interesse oder Reize der Form selbst, welche der Gegenstand dadurch empfängt, leicht jenen Nachtheil überwiegen, und wird man solche Spielerei gestatten können. Wogegen es ganz geschmacklos sein wurde, Gegenstände von wichtigerer Zweckbedeutung in ähnlicher Weise zu travesti- ren. Jemand hat z. B. den Vorschlag gemacht , die Locomotiven, die freilich nicht den wohlgefälligen Eindruck eines auf dem Was- ser sich bewegenden Schwans machen, ästhetisch dadurch zu heben, dass man sie mit einem Mantel in Gestalt eines Schwans umgiebt. Aber nicht nur, dass man dadurch das Spiel dersel- ben, was uns in seiner Weise mindestens eben so interessirt als das Schwimmen des Schwans, versteckt, widerspricht es auch unsrer Vorstellung, dass ein Schwan "auf dem Lande fortrutscht, oder dass eine Locomotive wie ein Schwan schwimmt, und diese Widersprüche sind zu ernsthaft, als dass sie durch den Reiz der Travestirung sammt dem Reize, den die Gestalt des Schwans an sich vor der Locomotive voraus haben mag, gut gemacht wer- den könnten. Der Umstand, dass bei der Spielerei mit Travestirung kleiner Zweckeinrichtungen das Gefallen mindestens eben so sehr durch die zierliche oder sonst interessirende Gestaltung, welche der Ein- richtung dadurch aufgedrückt wird, als den Reiz der Travestirung bestimmt zu werden pflegt, in Verbindung mit dem angegebenen Conflicte mag Ursache sein, dass doch nicht leicht der Eindruck der Lächerlichkeit dadurch entsteht, selbst wenn die Travestirung einen dem Zweck sehr fremdartigen Charakter hat. Das Lächer- liche kann aber dadurch in die bildende Kunst eintreten, dass lächerliche Verhältnisse oder Begegnisse des Lebens oder starke Uebertreibungen (in Carricaturen) durch sie darstellbar sind. So stellt z. B. ein Bildchen von Biardili) in lächerlicher Weise den Em- pfang dar, der einen Reisenden beim Aussteigen aus einem RheindampfschilTe Besprochen im Kunstbl. 1844.