457 nachzuhuschen , mung hinein. versetzt S0 Zll sagen in dessen weibliche Stim- Bei Burke (vom Sch. u. E. 246) lese ich Folgendes, was hieher gehört. uSpon erzählt uns in s. Recherches d'Antiquite eine hieher gehörige, sonder- hare Geschichte, von dem berühmten Physiognomist Campanella. Dieser Mann hatte, allem Ansehen nach, nicht nur sehr genaue Beobachtungen über die menschlichen Gesichtszüge gemacht, sondern er besass auch in einem hohen Grade die Kunst, die merklichsten nachzumachen. Wenn er Lust hatte, die Neigungen derer, mit welchen er urnging, zu erforschen, so nahm er, so genau als er konnte, das Gesicht, die Geberde, die ganze Stellung der Personen an, welche er untersuchte. Und dann- gab er genau Acht, in was für eine Gemüthsverfassung er durch diese Veränderung versetzt wurde. Auf diese Weise, sagt mein Schriftsteller, war er im Stande, so vollkommen in die Gesinnungen und Gedanken des Andern einzudringen, als wenn er sich in die Person desselben verwandelt hätte. So viel habe ich oft selbst erfahren , dass, wenn ich die Mienen und Geberden eines zornigen, sanft- miithigen, kühnen oder furchtsamen Menschen nachmache, ich in mir einen ganz unwillkührlichen klang zu der Leidenschaft finde, deren sichtbare Zei- chen ich nachzuahmen Suche." Wäre nun die Erkenntniss des fremden Seelenzustandes aus seiner körperlichen Aeusserung Sache eines eben so entschiedenen lnstincts als die Aeusserung selbst, so bedürfte es nicht erst der Nachahmung zur genauem Erkenntniss. Von andrer Seite ist nicht ausser Acht zu lassen, dass es sich hiebei um complicirte Seelenzustände handelt, womit nicht ausgeschlossen wäre, dass doch die Aeusserungen der einfa chsten Seelenbewegungen eben so sicher instinctiv verstanden als getban würden. Wir kön- nen aber die Fragen in dieser Hinsicht um so leichter unentschie- den lassen, als sie in das Feld unsrer ästhetischen Betrachtungen nicht eben tief eingreifen. XIII. Vertretung des directen Factors ästhetischer Eindrücke gegenüber dem assoeiaüven. Vorbemerkungen. Dass im'Wandel und Streit ästhetischer Ansichten nicht blos der associative sondern auch directe Factor ästhetischer Eindrücke mitunter Unrecht leidet, ist früher im Allgemeinen besprochen;