84 Kunstgattungen zulässig oder selbst zu Gunsten andrer ästheti- scher Vortheile gefodert sind, was jedoch in Ausführungen über Kunst gehört, auf die wir für jetzt nicht weiter als mit ein paar kurzen Beispielen eingehen wollen, 111D in einem späteren Ab- schnitte ausführlicher darauf zurückzukommen. Ein Engel mit Flügeln kommt nicht in Wirklichkeit vor; aber wir setzen auch nicht voraus, dass der gemalte Engel einen wirk- lich vorkommenden Engel vorstellen soll, in Welchem Falle er uns wirklich missfalleu würde, sondern nur, dass er einen himmli- schen Boten Gottes symbolisch darstellen solle, womit sich die Flügel ganz wohl vertragen. Die Flügel selbst aber müssen so gemalt sein, dass sie zum Fliegen tauglich erscheinen, da sonst die durch ihre Anschauung erweckte Vorstellung der Vorstellung ihrer Bestimmung widerspricht. Einen Roman können wir recht wohl mit Lust lesen, trotzdem dass wir wissen , die Personen und Begebenheiten desselben sind der Wirklichkeit fremd; wir wissen zugleich, es ist nicht um Darstellung concreter Wirklichkeit zu thun. Also kein Vorstellungswiderspruch. Aber reale oder psycho- logische Unmöglichkeiten oder starke Unwahrscheinlichkeiten darf er nicht enthalten, welche den allgemeinen Bedingungen der Existenz widersprechen, deren Bewusstsein uns beim Lesen des Romans als Federung begleitet. VIII. Princil) der Klarheit. Zusammenfassung drei obersten Formalprineipe. (ler Werfen wir einen Blick zurück auf die beiden vorigen Prin- cipe, das der einheitlichen Verknüpfung der Mannichfaltigkeit und das der Einstimmigkeit oder Wahrheit, so ruhte jenes darin, dass Vorstellungen, die von gewisser Seite (zeitlich: räumlich, begriff- lich) verschieden sind, von andrer Seite in etwas Gemeinsamen zusammentreffen müssen, um im Sinne der Lust zu sein; dieses darin, dass von verschiedenen Seiten her erweckte Vorstellungen von etwas voraussetzlich identischem auch wirklich identisch zu- sammentreffen müssen, um im Sinne der Lust zu sein. Beide