Kap" XIII. Binnenländer. Die nordöstlichen 657 grossartige Ausstattung mit drei Erkerthürmen und im Innern den imposanten Flur und den Fürstensaal, welche gemeinsam es zu einem der ansehnlichsten und reichsten Rathhäuser Deutsch- lands stempeln, ein würdiges Zeugniss von der Macht und dem Kunstsinn der damaligen Stadt. Sollte die neuerdings veröffent- lichte 1) Estrade im mittleren Erker wirklich von 1480 datiren, so hatten wir hier das früheste Auftreten von Renaissanceformen, wenn auch noch stark versetzt, ja überwuchert von spätgothischen Elementen, denn die Kassettendecke ist schon völlig im Stil der Renaissance, obgleich die metallnen Rosetten noch krauses gothisches Laubwerk zeigen. Auch die Einfassung der mit gothischem Maasswerk durchbrochenen Balustrade trägt die Form des neuen Stils. Ich glaube daher diese Theile zu den späteren Ausstattungen rechnen zu müssen, welche seit Vollendung des westlichen Erkers (1504) noch hinzugekommen sind. Die voll aus- gebildete Renaissance finden wir sodann 1528 an dem schon er- wähnten Portale des Rathssaales. Die reiche Behandlung, welche die Pilaster und alle übrigen Flachen mit Laubwerk und Früchten, mit spielenden Putten, mit Sirenen in üppigen Ranken, mit Tro- phäen und Emblemen verschiedener Art dekorirt hat (leider jetzt mit Oelfarbe dick verschmiert, ursprünglich aber gewiss poly- chromirt), erinnert genau an den Stil des Portales an der Krone. Selbst die bauchige Kapitalbildung finden wir wieder, so dass auf die gleiche Hand geschlossen werden darfß). An einen Italiener Werden wir um so weniger zu denken haben, als archivalische Untersuchungen ergeben, dass damalsi die Stadtbaumeister in Breslau stets Einheimische warenß). Die innere Seite des Ein- gangs wird durch ein ähnliches nicht minder reiches Portal ge- schmückt. Im Jahre 1548 wurde sodann der Erker im Hofe auf wuchtigen, mit elegantem Akanthuslaub geschmückten Consolen ausgeführt. Seine Rundbogenfenster werden von kannelirten Pi- laStern, der mittlere mit ionischen, die beiden andern mit tos- kanischen Kapitalen eingefasst. Dieser Bau ist im Geiste strenger Hochrenaissance durchgeführt und dürfte am ersten einem Ita- liener zuzuschreiben sein. Von der weiteren Ausstattung des Innern kommt sodann besonders die herrliche Holzbekleidung der Wände des Rathssaales in Betracht, 1563 bezeichnet. Die mit Vorliebe angewandte Intarsia, die im Architektonischen und Orllßmentalen- die höchste Feinheit zeigt, dürfte wohl italienisch L Bei Sehultz a. a. 0. Tat. 1. nach feiner treflichen Zeichnung von Ljldecke. 2) Den Namenszug des Melsters H. R. g1ebt Luchs in s. blld. Künstl. in Schlesien. S. 13. a) Schultz, Schles. Kunstleben S. 18. Kugler, Gesch. d. Baukunst. V. 42