Franken. Mittelfranken. 465 Was nun die ursprüngliche Ausstattung dieser innern Räume betrifft, so gehört dieselbe so weit sie noch vorhanden zum Präch- tigsten ihrer Art. Im ersten Stock sind die Holzpfeiler, auf wel- chen die Balkendeeke des Vorsaals ruht, Meisterwerke ersten _ Ranges, nach allen Seiten mit Schnitzerei bedeckt und mit Her- men geschmückt, das Ganze mächtig und iiott aus dem Vollen herausgearbeitet. In einem kleinen Sitzungszimmer mit einfach kassettirter Stuckdecke findet sich ein elegant gearbeiteter Tisch, auf dessen Platte Zinkornamente von geistreicher Ausführung in Holz eingelegt sind. Darunter die zwölf Apostel in kleinen Figürchen, Landschaften mit Architekturstücken. In dem Erker- bau eine schöne Stuckdecke. Aehnliche Plafonds finden sich auch im zweiten Stock, vor allem aber ist der grosse Vorsaal wieder durch die energische Holzconstruktion bemerkenswerth. Seine kurzen stämmigen Säulen sind mit reichem Ornament sculpirt, die Kopfbänder über den Kapitälen aus zusammenstos- senden Voluten sehr schön gebildet, wahre Prachtstücke der Holzsculptur. Ausser dem Rathhaus erbaute die Stadt bald nachher in der Nahe der Johanniskirche (1582) das Gymnasium, einen ansehn- liehen Bau mit hohen dekorirten Giebeln und schönem Portal. Etwas früher schon (1564) War das Mühlthor errichtet worden, das mit seinen gewaltigen Buckelquadern, seinem Zinnenabschluss und dem kuppelbedeckten Thurm eine gute Gesammtwirkung macht. Man liest den Namen des Baumeisters Kilian Gockel. Der Privatbau der Zeit ist hier nicht bedeutend, doch sieht man in der Hauptstrasse ein grosses Haus von 1588 mit mächtigem aber einfachem Giebel und einem grossen wappengeschmückten Portal. Aehnliche Bogenportale, deren Pfeiler mit Ornamenten bedeckt sind, finden sich mehrfach. Auffallend ist dabei, dass hier sowohl wie am Rathhaus man sich bei den Portalen durch- aus auf Pilaster beschränkt, vertretende Säulen, Giebel und an- dere reiche Formen sich versagt hat. Mittelfranken. Die mittelfränkisehen Lande gewinnen in ihrer architektoni- schen Entwicklung eine von den unterfränkisehen wesentlich ab- weichende Gestalt. Die geistliche Gewalt tritt mehr zurück und lässt einerseits dem weltlichen Fürstenthum, vor Allem aber dem Bürgerthum freien Spielraum. Wir finden daher in der Architektur dieser Epoche neben einzelnen fürstlichen Sitzen vornehmlich Kugler, Gesch. d. Baukunst. V. 30