282 III. Buch. Renaissance in Deutschland. zeigten. Abgesehen von diesem Theile stellt sich das ganze Schloss als ein ziemlich regelmässiges, von Nord nach Süd lang- gestrecktes Rechteck dar, in drei Geschossen ohne alle Gliede- rung aufsteigend, nur an den hohen Endgiebeln mit Pilastern und Blendbögen geschmückt, und ungefähr in der Mitte der West- seite von einem viereckigen Thurm überragt, welcher den jüng sten Neubauten angehört. Alle Flächen sind einfach mit Stuck ver- kleidet. Die Terrasse mit ihren Eckthürmchen, welche sich östlich an den vorspringenden Thorbau schliesst, ist ein moderner Zusatz. Durch einen gewundenen, im flachen Bogen gewölbten Thor- weg gelangt man in den Schlosshof, der ein gestrecktes Rechteck bildet, das nur an der Eingangsseite schiefwinklig abgeschlossen ist. Diese inneren Theile zeigen im Ganzen dieselbe Einfachheit der Architektur wie die Aussenseiten. Nur einige Portale und an der rechten, westlichen Seite eine tiefe Brunnenhalle geben einigen Schmuck. Ausserdem ist die nördliche Eingangsseite im Erd- geschoss und den drei oberen Stockwerken durch Bogenhallen auf kräftigen dorischen Pilastern lebendig; gegliedert. Im Erd- geschoss ist diese Arkade noch jetzt offen, in den oberen Stock- werken dagegen durch Fenster geschlossen. Das Eing-angsportal in gedrücktem Bogen hat eine derbe Rustika-Architektur, von Pilastern eingefasst und mit einem Giebel auf Consolen bekrönt. Am linken Flügel führt ein Portal in die Küchen- und Keller- gewölbe, an der Südseite ist der Eingang zu den Speisesalen und Gesellschaftszimmern, über welchen sich die herrschaftlichen Wohngemächer und der grosse Festsaal befinden. Der nördliche, östliche und westliche Flügel enthalten Gastzimmer und die Woh- nungen des Gefolges. Verbindungsgänge ziehen sich in den beiden Hauptgeschossen durch alle vier Flügel. Die Haupttreppe, rechtwinklig mit je vier Podesten aufsteigend, liegt in der vorde- ren linken Ecke und ist durch die Arkaden mit dem Eingang; verbunden. Eine ähnliche Treppe iindet sich am entgegenge- setzten Ende desselben östlichen Flügels. Die Anlage dieser Treppen ist nicht mehr nach mittelalterlicher, sondern nach moderner Weise durchgeführt. Ueberhaupt hat der Architekt dem ganzen Bau nach Kräften ein modernes Gepräge, einfache Linien, ungebrochene Flächen und schlichte Ruhe gegeben. An der rechten, westlichen Seite des Schlosshofes führt ein etwas reicher behandeltes Portal in die Kapelle. Es ist mit Rustikapilastern eingefasst, die einen Triglyphenfries und darüber einen Attiken- aufsatz mit Seitenvoluten tragen. Letzterer enthält ein Relief mit der Krönung der Jungfrau, gleich dem übrigen plastischen Schmuck von geringer Arbeit.