280 III. Buch. Deutschland. Renaissance in fühlt ein Gorridor zu einem Saal mit einer trefflieheu alten Holz- decke, die durch einen Durchzugsbalken getheilt wird. Die Flächen der Decke haben kleine viereckige Felder mit goldenen Rosetten auf blauem Grunde. Ein hübscher Sandsteinkamin, ehemals im Corridor, ist durch Putti und andere Ornamente von etwas schwerer Behandlung geschmückt. Im Erker zeigen sich Spuren von alten Wandgemälden. Der Eingang in den Saal ist durch ein elegantes Renaissanceportal mit zierlißh decorirten Pilastern um- rahmt. Der anziehende Bau macht durch die sorgfältige Er- haltung und Ausstattung, welche die Stadtgemeinde ihm an- gedeihen liess, einen ungemein erfreulichen Eindruck. Die Rückseite des Hintergebäudes, zu welcher man durch einen Thor- weg gelangt, ist ebenfalls mit gruppirten, aber einfacher um- rahmten Fenstern ausgestattet, die zum Theil mit kräftig be- handelten Eisengittern versehen sind. Hier haben sich auch stärkere Reste der ursprünglichen Bemalung erhalten. Es sind Ornamente in lebhaften Formen, namentlich phantastisch ge- schweifte Hermen als Einfassungen der Fenster. In der ganzen Decoration des Baues ist übrigens wie in der Regel bei den deutschen Werken das Figürliche ziemlich gering. Ausserdem hat Constanz nur noch am Oberen Markt ein Privathaus mit hoher Giebelwand, der Giebel sehr wild und barock geschweift und nicht eben werthvoll. Von den kunstreichen Schmiedearbeiten der Zeit zeugen mehrere reich behandelte Gitter an den Seitenkapellen im Münster. Sodann besitzt Ueberlingen an dem auf S. 168 unter Fig. 38 abgebildeten Portal des Ganzleigebäudes ein elegantes Werk der ausgebildeten Renaissance. Von den barock überladenen Pracht- altaren der Kirche daselbst war bereits oben S. 220 die Rede. (Abbild. auf S. 178.) Heiligenberg. In diesem südlichen Theile des Landes haben wir nun ein sehr stattliches Schloss vom Ende der Epoche zu betrachten. Auf einem der letzten und höchsten Ausläufer des schwäbischen Jura erhebt sich der ansehnliche Bau von Heiligenberg, etwa drei Stunden entfernt vom Ufer des Bodensees, auf einer wald- bekränzten Kuppe. Weithin glänzen seine Mauern bis an das Schweizer Ufer, und der Blick aus seinen Fenstern umfasst eine der schönsten Rundsichten Deutschlands, bis zu den Firnexi der Tyroler- und Schweizeralpen, den Riesen des Berner Ober- landes, den Basaltkegeln des Hegaus und den südlichen Aus-