420 Oberitalien. Mailändisclae Schule. Gebäude sind nach den Regeln einer trefllichen Perspective ausgeführt. Doch von seiner bewundernswürdigen Kunst in Malerei und Plastik hat Lomazzo so viel gesagt, dass es nicht mehr bedarf. Nur mit Bedauern füge ich hinzu „ dass dieser grosse Mann dem Vasari entweder nicht Sehr bekannt, oder nicht sehr lieb war; daher die Ueberälpler, die alles Ver- dienst nach der Geschichte messen, ihn nicht gehörig kennen und in ihren Schriften beinahe mit Schweigen übergangen haben 27). FerrarPs Nachfolger haben seine Kunstweise lange beibehalten, die ersten treuer, als die zweiten, und diese mehr als die dritten. Die meisten haben nicht sowol die Anmuth seiner Zeichnung und Färbung, als vielmehr Ausdruck und Leichtigkeit angestrebt, so dass sie zuweilen in die verwandten Fehler, Uebertreibung und Nachlässigkeit, verfallen. Minder berühmte Schüler des Gaudenzio waren Antonio La- netti aus Bugnato, von welchem ich keine ihm ausgemacht zuzuschreibende Arbeit kenne; Fermo Stella aus Caravag- gio, und Giulio Cesare Luini der Walliser, die in eini- gen Capellen von Varallo noch jetzt bekannt sind. Lomazzo giebt im 37. Kap. seines Trattato als Nachahmer des Gau- denzio , ausser dem bald zu nennenden Lanino, noch Bcrnardo Ferrari aus Vigevano an, Wo er zwei Orgel- läden in der Hauptkirche gemalt hat; und Andrea Solarizs), oder Andrea del Gobbo, auch Andrea Milanese, wie Vasari ihn am Ende der Lebensbeschreibung des Coreggio 27) Ob die Ueberälpler so ganz nur nach Hörensagen, oder 1,108 auf Tradition und Namen hin, nicht nach Bnsßllßuendel- Kenntnis und lebendigem Begriff urlheilen, wie der gute L anzi meint, möchte doch auch in nächster Beziehung auf Gaud. Ferrari etwas he- zweifelt werden können, wenn man Freybergü Blicke auf Künst- ler und Kunstwerke der besten Zeit, Kuustbl. 1825 S. 98 f., gelesen hat, wo Ferrari in seinem Bezug zur römischen Schule auf eine ganz andere Weise gewürdigt ist. 11V, 28) Solari verdient das Lob, welches Lz. an Gaudenzio ver- schwendet hat. Man hat nach ihm, oder von ihm selbst, ein liehe- Volles Bild geslüclien, wo eine Mutter sich über ihr Kind holdlächelnd herüberneigt und der Kleine vor Lust zappelt. Das Bildchen ist in der Pariser Gallerie. In einer kleinen Kirche am Hlege von Parma nach und unweit Lodi sah ich dasselbe Bildchen, welches mir noch zärter schien, als das Pariser. Schade dass ich den Namen des Orts mir nicht aufzeichnete! - Q,