412 Oberitalien. Mailändische Schule. mit zu seinem Ruhm, dass es seine grossen Künstler nach Schaaren, nicht nach Zahlen rechnet. Noch ist der berühmteste Nachahmer Vinei' zn erwäh- nen, Bernardin Lovino, wie er sich schreibt, oder Lui- ni, wie er gewöhnlich genannt wird, gebürtig aus Luino am Lago Maggiore. Resta behauptet, er sei erst nach Vinci's Abgangs: nach Mailand gekommen und habe bei Scotto ge- lernt. Der Vf. der- Guida p. P20. zählt ihn unter Lionar- ld0's Schüler, nnd der Zeit nach konnte er es, wenn ich nicht irre, wol seyn. Denn wenn Gaudenzio, geboren 1484, "Schüler Scottws und zugleich Lovinoßs" war, wie Lomazxzo Tratt. p. 421. sagt, so folgt, dass Ber- nardino schon 1500 Meister war, als Vinci Mailand ver- liess. Und um diese Zeit nun setzt Vasari Bernardino da Lupino, der in Sarono die Vermählung und andere Er- lebnisse der Jungfrau Maria so zart malte, wo er sagen sollte da. Luino, und, mir nicht zu Sinne, eine Anmerkung zu Vasari Lupino in Lanino verwandelt, der Gaudenziüs Schüler war. Meine Vermuthung über Bernardinws Zeit- alter bestätigt das Bildnis, das er zu Sarono in dem Lehr- streite des Knaben Jesu von sich selbst gab, wo er sich schon alt vorstellte; und daxuals schrieb man das Jahr U. H. 1525, wie dort steht w). 18) Diese Bilder sind von ausserordentlicher Schönheit und "haben sich auch in der Farbe vollkommen gut erhalten, wie die meisten Gemälde des Luino. Sie sind unlängst von mehrern geschickten Kupferstechern gestochen worden. Vorzüglich reich in Erfindung, edel im Styl und zart gefühlt ist die Anbetung des Kindes von den Weisen, welche dem Heiland Geschenke bringen, und sodann die Vermählung der Jungfrau Maria. Luino's Colorit ist wärmer, als das des Mareo d'0ggino. Ein röthlicher Tun zeichnet seine Fär- bung aus, gleichsam als durchschimmerte ein leichtes, warmes Blut eine zarte Haut. Marco's Bilder erröthen, eine leichte Böthe fliegt die Blässe seiner Gesichter an. XVas auch B0 ssi p. 135. sa- gen mag, so war Luino gewiss nicht in Rom; und war er es ja, nur auf sehr kurze Zeit; denn sonst hätte dieser edle Geist gewiss Einfluss auf die römische Schule gehabt, wenn auch Raffael da.- mals in voller Kraft auf seine Zeitgenossen fort-, oder dessen WVerke , noch nach des Meisters Tode, nachwirkten. Plälte Raffael noch gelebt, so wäre gewiss zwischen ihm und Bernardo eine Freundschaft geschlossen worden, wie die zu Gesare da Sestn, und wäre B ernardo erst nach Raffaels Tode naclfllom gekommen, so hätte Luino gewiss in jungen Gemüthern (las fortgeptlanzt, was wir doch in den Werken der Schüler des Raffael nach des- sen Ableben vermissen: ruhige Kraft des Gemüths. In dieser Ueber-