400 Oberitalien. Mailändische Schule. oder führte es nur bis zu einem gewissen Punet aus, wo er es dann liegen licss , oder er wendete so viel Zeit darauf, dass er beinah das Beispiel jenes Alten zu wiederholen schien, der sieben-Jahre an seinem Jalysus arbeitete. Wie man aber die Schönheiten jener Figur nie ganz kennen lernte, eben so we- nig, nach Lomazzo, die Vollkommenheiten der Vineischen Gemälde, selbst derer, die Vasari und Andere als unvollen- det angehen. Eh ich weiter gehe, muss ich den Sinn des Wortes un- vollendet in Bezug auf Vinci näher bestimmen. Aller- dings liess er manche Werke halb fertig, wie die Erscheinung U. H. in der grossherzoglichen Gallcrie zu Florenz, oder die heilige Familie in der erzbischöilichen zu Mailand. Zuweilen aber will dies hier nicht mehr sagen, als dass hier und da. dem Werke die letzte Hand des Kiinstlersfehle; was oft Ken- ner selbst nicht entdecken können. So betrachtete zum Bei- spiel Mariette das Bildnis der M. Lisa Gioconda 5), worüber er vier Jahr gemalt, und das er dann nach Visconti unvoll- endet liess, in der Gemüldesaiumlung des Königs von Frank- reich bis in die kleinsten Theile und erklärte es für so voll- endet, dass es nicht möglich schien, mehr daran zu thun. Leichter ist das Mangelnde an Bildnissen zu erkennen, wie es deren, manche in Mailand giebt, z. B. ein Weib beim Fürsten Albani, einen Mann im Palast Scotti Gallerati, indem Lo- mazzo bemerkt, drei bis vier ausgenommen, habe er an allen andern die Köpfe unvollendet gelesen. Aber seine Unvollen- dungen und Fehler möchten wol an unzähligen Andern Voll- kommenheiten und Tugenden seyn. Die Geschichte giebt auch das grosse Abendmahl als un- vollendet an, welches er zu Mailand im Speisesaale der Domi- nicaner malte, und gleichwol preist sie es einstimmig als ei- nes öder schönsten Bilder, das aus Menschenhand hervorgegan- gen sei. Es ist der Inbegriff nicht blos alles Dessen, was Lionardo in seinen Schriften lehrte, sondern auch mit sei- nen Studien umfasste. Er hob darin den Augenblick hervor,. 5) Dies Bild hat, wie Vinci" s meiste Oelgemälde, durch Nachdunk- lung der Schatten und wahrscheinlich Erblassen der Lasuren so ge- liüen, dass man über den Grad der ursprünglichen Vollendung nicht mehr urtheileu kann. Q,