392 Oberitalien. Mailänßische Schule. ter Julius Il. die von Vasari so sehr gerühmten Bildnisse gemalt, welche, bevor sie weggerissen werden sollten, damit Rnffael auf dieser Stelle malen könnte, auf Ansuchen 'Gi0- vio's , der sie in sein Museum aufnehmen wollte, copirt wur- den. Sicher gehören Bramantinfs Bilder im Vatiean nicht in die Zeiten Nikolaus V., wie ich erwiesen habe. Hier- auf kehrte er nach Mailand zurück, wie wir von L0 mazzo wissen; und aus dieser bessern Zeit scheint ein Ambrosius und Michael mit U. L. F. zu seyn; ein auf venediger Art colorirtcs Bild der Gallerie Melzi, wovon ein andermal die Rede seyn wird. 'Auch in Si Francesco sind einige von ihm gezeichnete und gemalte Bilder von einer Grossheit, die fast über seiner Zeit steht. Sein auszeiehnendes Verdienst aber ist die Perspective, deren Regeln Lomazzo aus Verehrung gegen diesen grossen liiann in sein Werk aufgenommen hat. Er führt auch als Beispiel einen todten Christus unter den Marien an, an der Thür des S. Sepolcro, ein Werk, welches das Auge täuscht, indem die Beine des Erlösers, von welchem Standorte aus man sie auch betrachte, sich immer richtig nach dem Auge des Beschauer wenden. Ich weiss, dass viele Andere dies auch gethan; aber es ist ein verbrauchtes Sprüchwort, dass ein Erster mehr gilt, als viele Zweite. Ein Werk dieses grossen Perspectivmalers haben die Cisterzienser in ihrem Klo- ster, Christi Höllenfahrt. Es hat wenig Figuren mit nicht gar gewählter! Gesichtern, aber von wahrem und gediegcnem Colorit, wphl aufgestellt, abgestuft, in schöne Gruppen abge- theilt, mit einem schönen Zurückweichen der Pfeiler, irelche den Ürt schmiickend abgrünzen, und von einem Zusammen- klang, der jeden Besehaucr festhält. Sein Schüler war Ago- stin da Milano, höchst kundig der perspeetiviscllen Ver- kürzung, von dessen Hand in der Karnieliterkirche ein so sehützbares Gemälde war, dass Lomazzo es mit der Kuppel von Corcggio im Dom zu Parma. zum Muster aufstellt. In Lomazzo's Verzeichnis wird er geradehin mit den Worten angegeben: "Agostino di Bramantino, ein niailiinilischer Maler, Schüler des Bramantino selbst." Ich weiss nicht, wie dies Pagave entgehen und er jenen alten Agostino Bramautino aufführen konnte, der von seiner Familie her so hicss, nicht von seinem Meister, dessen Daseyn wir bloss