388 Oberitalien. Mailändisclme Schule. lllailand aufhielt, andere erwarben sich in den folgenden Jahren mehr Fertigkeit, keiner aber konnte sich des alten Styls ganz entiiussern. Vor allen sind zu erwähnen die beiden Ber- nardi, auch zuweilen Bernardini genannt, aus 'l'revilio im lllailändisehen, Einer aus dem Hause Butinoni, der An- dere ein Zenale, Civerehio's Schüler und Nacheiferer in Bildern und Schriften. 'l'revilio ist ein Landstrich im Mailän- dischen, damals unter dem Bcrgamaskischen befasst und dess- halb von Tassi zu seiner Schule gezogen; es ist ziemlich weit von 'l'revigi, wo man denn die Nanienähnlichkeit benutzt und einen Baukiinstler und Maler Bernardino von Tre- vigi crdichtet hat, der nie lebte. Vasari nennt einen Ber- nardino du Trevio er meinte Trevilio der zu Bramantew Zeit Kriegsbaunieister in Mailand war, ein gros- ser Zeichner, den Yinci fiireinen seltenen Meister hielt, wiewol sein Styl in der Malerei etwas roh und trocken war; und unter andern Arbeiten von ihm führt er eine Auferstehung im Kloster delle Grazie mit einigen sehr schönen Verkürzungen an. Zu verwundern ist, dass Bottari Trevio in Trevigi verändert, und Orlandi den Vasari auslcgt, als habe er von Buninone gesprochen, da doch aus Lomazzo S. 271 und melirern Stellen seines Tratlato sich leicht ergicbt, dass dort von Zeuale di Trcvilio die Rede sei. Er war ein ausgezeichneter Mann, VinzPs Vertrauter"), der im Traltuto della pittura. mit Mantegna verglichen und immerfort in der Perspective als Muster aufgestellt wird, worüber er schon be- tagt 1524 ein Werlc und mancherlei Bemerkungen schrieb. Darin behandelte er unter andern auch die heutzutage sehr streitige Frage: ob die Gegenstände, die man klein und in der Ferne darzustellen hat, naturtreu, mehr als die grossen und nahen, abzudämpfen seien; was er verneinte, und woge- gen er vielmehr verlangte, die fernen Gegenstände müssten 14) Lomazzo erzählt in seinem Tratlalo (1, 9), dass Llo- nardo in seinem Abendmahle die beiden Jakobs so schön gemalt, dass er verzweifelnd, den Nazaräer schöner zu malen, sich mit B ernardo Zen nle berathen habe, welcher ihm zum Trost gesagt: lass du Christua nur so unvollendet; denn neben diesen Aposteln wirst du doch 'nie elnen Christus herausbringen, Das that denn auch Vlnei. L,