332 Oberitalien. Die Schule ZU Parma. keiner malte dort mehr auf Kalk, als er, im Dom und am Kirchgatter, das, was er in S. Benedetto zu Mantua und ander- wärts malte, abgerechnet. Dieser Vielmalerei wegen mögen wol manche seiner Bilder das erstemal überraschen; einzeln jedoch geprüft verlieren sie. Bei vielem Schönen haben sie doch nicht wenig Mängel: die Zeichnung des Nackten besonders ist nach- lässig, die Anmuth geht in Ziererei über, die muntern Bewe- gungen arten in gewaltsame aus. Dess trügt er freilich die Schuld nicht ganz allein, da er manchmal ein YVerk mit An- dern malte._ So ging es mit dem grosscn Bilde, der Verviel- fältigung der Brote, zu S. Benedetto in Mantua, wo er, laut von Abt Mari aufgefundener Urkunden, nicht allein malte. Es hat sehr schöne Gruppen, die jedem grossen Pinsel Ehre ma- chen würden, aber auch Schwächen und Unrichtigkeiten, die von anderer Hand sein sollen. Freilich hat er sie auch in andern Werken und da ist seine Eil anzuklagen. Mit einigem Lobe wird auch ein Alessandro Mazzuola erwähnt, Gi- ro'lamo's Sohn, der 1571 im Dom malte; er ist ein schwa- cher Nachahmer des Familienstyls, was, so zu sagen, das Schick- sal der Malerfaniilien ist, die bis zum dritten Erben gelangen. So stand es in Parma um die Kunst um die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts, als die Familie der Farneser dort zu herrschen begann und zu Beseelung und Förderung dieser Schule beitrugk. Coreggiäs Schüler hatten schon Zöglinge ge- bildet, und ist es auch schwer zu bestimmen, aus welcher Schule jede,- hgrvorgegallgen, so lässt sich doch aus ihrem Geschmack leicht verrnuthen, dass Alle den Weg der beiden grüssten Mei- ster zu gehen strebten, die wir in Parma geschildert haben; mehr aber vielleicht noch den des Mazzuola, als des Co- reggio. Das Vorurtheil, der neueste Styl sei immer der schönste, ist unter Kunstfreunden und Künstlern gar zu ge- wöhnlich, und so verderbt die Mode auch die Kunst. Par m i- gianino bildete vielleicht nur seinen Vetter für die Kunst; Daniel von Parma war auch Coreggio zugethan und Bati- sta Forlnari legte sich, nachdem er bei Franeesco zeich- nen oder wenig mehr gelernt hatte," auf die Bildhauerkunst, und fertigte ausser andern. schönen Standbildern für den Her- zog Ottavio Farnese den Neptun, der jetzt im künigl. Gar- ten ist. Ä