310 Oberitalien. Die Schule zu Parma. konnte, der Himmelfahrt U, L. 17.. im Dom zu Parma, 1530 vollendet. Es ist bei weitem grösser und im Grunde sind die Apostel, wie es Brauch ist, in frommer und bewundernder Ge- bärde Wiederholt, doch ganz verschieden von den erstern. Im obern Theile ist eine unermessliche Menge Seliger in der schön- sten Anordnung gruppirt undunterschicrlen, und eine grosse Menge grösserer und kleinerer Engel, die alle in Handlung sind, inwiefern einige den Iilug der Jungfrau stützen und för- dern, andere spielen und tanzen, andere den Siegesflug mit Beifallsbezeignng, Gesang, Fackeltragen und Vleihrauchzünden erheitern. In dieen Gesichtern ist eine Schönheit, eine Freude, eine Festlichkeit und durchaus verbreitet sich ein so schönes Licht, dass, wiewol das Gemälde sehr beschädigt ist, es doch die Seele mächtig bezaubert und in den Himmel entzückt. Wic Raffuel durch die Stanzen, so vergrösserte Corcggio durch diese grossen Arbeiten seinen Styl, und schwang sich auf den Gipfel der schweren Kunst der Wandmalerei. Es lohnt sich der Mühe sie in der Nähe zu betrachten und die Tapferkeit und Sicherheit des Pinsels zu bemerken, wie die in der Ferne so schön erscheinenden Theile mit so Wenigem angedeutet sind, das Colorit nur wie zum Scherz dazusein scheint,und alles in ein Gan- zes zusammenschmilzt. Nach Vollendung der Kuppel der Haupt- kirche lebte der Künstler noch vier Jahre, fing aber unterdessen das im Auftrag übernommene, zum Theil auch bezahlte, jedoch auch von seinen Erben wieder abgezahlte, Gemälde der Tribune nicht an. Man vermuthet, die Arbeitsleute haben es ihm ver- leidet; denn Sojaro, der an dem Kirchgitter (steccato) ar- beiten sollte, machte Schwierigkeiten und nahm gewisse Vor- sichtsmaasregeln, „er wolle nicht von so viel Köpfen abhangen, und du weisst ja," schreibt er an seinen Freund, „was Coreg- gio im Dom sich sagen lassen musste." Es musste ein rauhes, schnödes Wort seyn, das ihn unmuthig machte, vielleicht das, welches ein mit den kleinen Figuren unzufriedener Handlanger ihm ins Gesicht sagte, „lhr habt da ein Froschragout gemacht f" ein fades, leicht zu verschmerzende Witzwort; war doch ein Handlanger nicht die Stadt Parma 22). 22) Da diese Kulppel ganz von Figuren wimmelt, welche man ill Verkürzung von unten sieht, so erblickt man ein sulches Gewirr voll