140 Oberilalien. Venediger Schule. Figuren, theils eignes und Fanriliexilmildnisse, theils ideale Köpfe. Dies ist einer von den wenigen Malern, die mit vorrückcndenr Jahren im Verdienst nicht zurückgingen. Ja, wenn er in man- chen frühem Gemälden etwas 'l'rockencs hat, so vermisst man in diesem weder Fülle der Umrisse, noch Sonderbarkeit der Tracht und des Putzes, noch Flciss in Figuren und Landschaft. Seine Zeichnung wird unter den Wenigen aus seiner Schule gelobt, und von Ridolfi's Zeit an wurden seine Einfälle, seine Studien, seine Wachsmodelle für Figuren in den Cabi- nets sehr gesucht. In S. Tommaso zeigt man einen heil. Onu- phrius sitzend, nach dem berühmten belvedereschen Torso, und in manchen seiner Anordnungen und bei Gegenständen, wo nackte Körper vorkommen, sieht man eine unter den Venedi- gern gar seltene Kenntnis des alterthümlichen Styls. Im Fleische bringt er eine Bronzefarbe an, die wundersam anspricht und mit seinen Tinten übereinstimmt, welche meistens gemässigt und tief, auch in den Jrlintergründen sind, und dem Aug eine Ruhe gönnen, welche nicht langweilt, wenn es darauf verweilt, Meistens aber wird er für einen schwachen Coloristen gehalten und besser in Wand- als Uclgemälden. Ist es bei mir Vor- liebe, oder wirklich Verdienst des grossen Mannes, er ist es, dessen Arbeiten nicht alle gesehen zu haben mich, als ich Ve- rona verliess, schmerzte; so viel Seltenes und Schönes fand ich in denen, die ich sah; und auch in Mantua, S. Sisto zu VPiacenza, in der herzoglichen Gallerie zu Modena, Padua und anderwärts sah ich Werke von ihm. Zuweilen hab ich darauf eine Schnecke, als sein gewähltes Wahrzeichen, beobachtet, welches sagen wollte, auch er habe das Haus auf dem Kopfe, um mit Betrügern anzubinden. Sein Sohn Orazio war der Kunst nur wenige Jahre ge- liehen. Sein grösster Lobspruch ist, dass er in dieser kurzen Zeit dem Styl und Verdienst seines Vaters nahe kam. In S. Stefano ist ein Bild auf Leinwand von ihm, ein Plingstfest, wie dallaiRosa bemerkt, Gläubige, die von den Aposteln den heiligen Geist empfangen; und unter den besten Veronern, die daselbst gemalt haben, nur Caliari ausgenommen, macht es Aufsehn. Um nun den Faden meiner Rede wieder aufzunehmen, bemerke ich, dass Paolo Caliari das Pulvlicum für die schon