Erster Zeitraum. Die Alten. Dürfte ich, wie die Etruria pitirice, beim Eintritt in jede Malerschule den Gemälden einige Musivarbeiten voransenden, so könnte ich hier die von Grade aus dem 6. Jahrhundert nen- nen, die den Namen des Patriarchen Elia führen, die von Tor- cello, und einige andere in Venedig, auf den Inseln und dem Vestlande aus den folgenden Jahrhunderten, wo mit der Grösse des irenediger Staats auch die Gebäude sich erhoben. Es möge aber auf sich beruhen, ob diese Musivarbeitcn nicht, wie viele in Rom, griechische Werke sind. Mich kümmern, nach der Anlage meines YVerkes, alte Kunstdenkmale, welche abgerissen und ohne Schulenreihe hier und da vorhanden sind, nicht son- derlich, wiewol ich ihrer gelegentlich, gleichsam beiläufig, ge- denke. Dergleichen muss man in andern Werken aufsuchen. Ich schreibe über die wieder erstandene Malerei. Das älteste Denkmal der Malerei im venediger Gebiet ist meines Erach- tens zu Verona in einem unterirdischen Orte der Nonnen des heil. Nazarius und Celsus, welches dem gemeinen Haufen der Neugierigen unzugänglich, doch von Dionisi in mebrern Kupfern bekannt gemacht worden ist I). In dieser ehemaligen Bethalle der Gläubigen sind einige Geheimnisse unserer Erlö- sung gemalt, einige Apostel, einige Blutzeugen, besonders der Hintritt eines Gerechten aus diesem Leben, welchem der Erz- engel Michael beisteht. Die Symbole, die Gebäude, die Zeich- nung, die Bewegungen, die Kleider der Figuren, dic beigefügte Schrift lassen keinen Zweifel übrig, dass die Malerei viel- älter sei, als das Wiederaufleben der Kunst in Italien. Gewöhnlich aber lassen die Schriftsteller die Malerei in Venedig mit dem ll. Jahrhundert, oder ungefähr 1070 beginnen, als der Doge Selvo aus Griechenland lilusivarbeiter kommen liesS, die präch- 1) Diese Capelle, welche in den Zeiten der Christenverfolgung aus dem Gestein gehölt, dem heiligen Procolo und den Seinen zum Zu. ilnchtsurl. gedient haben soll, ehe die Stadtmauern von Verona diesen Ort eiuschlossexl, ist ausführlich beschrieben in Verona illustrala, Parte terza, Cul. 55. Nachmals wurde ein Benßdictixxef-KIIJSIGY an dieäem Orte errichtet. Q.