222 Florentiner Schule. Vierter Zeitraum. heit, dass viele damalige Dichter es wie ein Wunder besan- gen. Schön sind auch seine Zimmerbilder für Gesellschaften und ländliche Feste, die in Lucca nicht selten sind, Nament- lich werden von Baldinucci jene zwei in der Familie setti gepriesen, Wallenstein Ermordung vorstellend. Bal_ dinucci bemerkt, er habe in jener tragischen Zeit ein vor- zügliches Talent gehabt, überhaupt für das Starke, Gewaltige; im Zarten bewundert er ihn nicht so, tadelt vielmehr, dass er in weiblichen Figuren zuweilen etwas zu derb sei. Dass er aber auch, wenn er wollte, recht lieblich seyn konnte, bewek set das grössere Bild in der Dreieinigkeitskirche, welches so anmuthig ausgeführt seyn soll, weil er seinem Mitbewerber Biancucci nicht nachstehen wollte. Sein Schüler war P i e tr o T e s t a, der in Rom der Lucchesiner hiess, nun wol nicht; aber wahrscheinlich ist, dass er, da er Paolinißs Zeitgenosse war, die Anfangsgründe der Kunst von ihm sicher schon in Lucca. lernte, eh" er Rom sah. Hier hatte er verschiedene Meister, am längsten Piel. da. Cortona, der ihn, weil er seine Grundsätze verachtete, aus der Schule jagte. Er hielt sich besonders an D0meni_ chino, auf dessen Unterricht er, nach Pass eri, stolz war, wiewol er im Grunde in seinem Styl hier und da, gleichsam wider Willen, Cortona. ähnelt. Auch von seinem Freunde Poussin hat er etwas, sowol in den, manchmal allzu chlanken Figuren, als in den Landschaften und im Stu_ dium des Alterthums, welches er so liebte, dass er das Beste, was Rom in Bau- oder Bildhauerkunst hatte, zeichnete. Dariri ist er köstlich. Der Tod Angiolo's zu S. Martino a' monti; ein Bild voller Kraft, ist was man öffentlich von ihm sieht. In Sammlungen ist er leichter zu studiren; auf dem CampL doglio ist von seiner Hand ein an die Ismaeliten verkaufter Joseph; im Palast Spadalö), ein Kindermord; sonst nicht viel; denn er stach mehr, als er malte 17). Zu Lucca sind einige. 16) Jetzt fast aller seiner Schätze beraubt. Q. 17.) Passeri", der seine Tinten nicht genug loben kann, erklärt ihn hinsichtlich der Erfindung für gross, und von seinen Stichen sagt er, "nie hat man an einem andern Maler so grosse, umfassende Ges danken, so edle und fremdartige Ideen, so erhabene Erfindung ge-