634 Na chträge ZLllTl und Band. Ebendort eine einfache Madonna mit dem Kinde von Giovanni Bellini, bezeichnet IOANNES BELLINVS P. Ein Werk seiner frühen Zeit, wie man an dem kühlen Kolorit, der scharfen, noch fast paduanisch strengen Zeichnung und der mühsamen Modellirung der etwas grossen Hand der Maria erkennt. Ebendort ein Botticelli, die Geschichte der Virginia, in sechs Scenen dargestellt, die geschickt in eine grosse, nach Art einer Basilika mit polygoner Apsis geschlossene korinthische Halle von grosser Pracht vertheilt sind. Be- deutend in der perspektivischen Raumentfaltung; kleine, ungemein energisch gezeichnete und modellirte Figuren, die im Wurf der Gewänder, den hastigen Bewegungen, dem eigenthümlichen Typus der Köpfe den Stil des Künstlers in seiner völligen Reife zeigen. Nicht bloss die menschlichen Figuren, sondern auch die zahlreich angebrachten Pferde von schwerer wuchtiger Race sind in Zeichnung, Bewegung, Verkürzung meisterlich. Das Bild ist leider stark nach- gedunkelt, im Uebrigen aber eine der wenigen interessanten Darstellungen aus der antiken Geschichte, die wir aus jener Zeit besitzen. ln1 herzoglichen Schloss zu Meiningen: zwei kleine Bilder von Fiesole, ein Altärchen von Tacldeo Gadclz" und eine Madonna mit dem Kind, dem kleinen Johannes und dem h. Joseph, von Marco Palmezzano, bezeichnet: MARCHVS PALMEZZANVS PIGTOR FOROLIVIENSIS FACIEBAT. Etwas steif und hölzern in der Zeichnung, aber von klarer Färbung und ansprechen- dem Ausdruck. Ebendort ein grosses Fresko von Luini, die h. Familie mit dem kleinen Johannes, der dem Christkind ein Lämmchen bringt. Auf der im Frühjahr 1879 in Paris veranstalteten Ausstellung von Hand- zeichnungen aus Privatbesitz sah man eine bei Mr. Malcolm in London be- findliche Zeichnung von Giorgiorzzle, welche die auf dem Concert im Louvre dargestellte sitzende nackte Frau genau in der auf dem Bilde vorkommenden Stellung verführt. Neben ihr zur Linken steht ein junger Mann, der den Contrabass spielt. Es ist offenbar, wie Charles Ephrussi in dem Katalog der Ausstellung bemerkt, eine erste Skizze zu jenem Bilde, aus welcher der Künstler nachher für sein Gemälde nur die weibliche Figur beibehielt. Die Zeichnung ist kräftig mit der Feder ausgeführt.