582 Buch. Kapitel. XIII. Maler venezianischen Festlandes. Das Friaul gehört zu jenen Grenzgehieten, in welchen während des Mittelalters italienische und deutsche Kunsteinfliisse sich kreuzten. Letztere erkennt man namentlich an der Vorliebe für bemalte Holz- schnitzaltäre, die sich nur hie und da in Oberitalien finden. Die Ent- wickelung der Malerei wurde in alter Zeit durch den allgemeinen Charakter der altchristlich byzantinischen Kunst bedingt, wie man namentlich in der merkwürdigen Kapelle bei S. Maria in Valle zu Cividale sieht, WO freilich Einzelnes bei grosser Schwerfälligkeit der Typen zu eretinhafter Hässlichkeit herabsinkt. Man hat darin wohl die kunstlose Rohheit der frühesten {i-iaulischen Malerei zu erkennen. Erst seitdem '14QO die Venezianer das Land eroberten und durch ihre Statthalter in Üdine verwalten liessen, vollzog sich allmählich ein Um- schwung zu Gunsten der venezianischen Kunst. Wie der schöne Markt- platz von Üdine mit seiner stattlichen Halle "und der grossartigen gothischen Anlage des Palazzo Pubblico deutlich auf das Vorbild des Markusplatzes und des Dogenpalastes hinweist, so gerieth gegen Aus- gang des 15. Jahrhunderts endlich auch die Malerei, besonders durch das Vorbild von Meistern wie Cima und Vivarini, in die Abhängigkeit Venedigs. Wie sich dieser Einfluss zuerst äusserte, kann man an einem mehrtheiligen Altarwerk vom Jahr 1479 in der Sakristei des Doms von Üdine erkennen, welches durch die Inschrift als Werk des D0- menico cla Tolmezzo bezeugt wird. Das Mittelbild enthält die Madonna, von einem knieenden Stifter verehrt, daneben in besonderen Abtheilungen je zwei Heilige, darüber die Verkündigung und in der Mitte der todte Christus von zwei Engeln gehalten. Es ist ein sehr zurückgebliebener Lokalkünstler, der in seinen blöden nüchternen Gestalten mit den mühsamen Bewegungen, der trockenen reizlosen Farbe die Epoche bezeichnet, wo in Venedig die paduanischen Einflüsse sich geltend machten. Dieselbe Richtung erkennt man in den spielenden Renaissance- formen der gemalten architektonischen Einfassung. Auch Giovanni Martini, der Neffe dieses Domenico, zeigt sich auf der für den Dom von Udine 1501 gemalten Altartafel mit dem thronenden h. Marcus zwischen mehreren Heiligen unter altvenezianischem Einfluss, doch mit auffallend kühler Farbenstimmung, allein sichtlich gefördert durch das Beispiel Cima's, wie namentlich die herbe energische Formbildung und die ungemein sorgfältige Durchführung verräth. In liebenswürdiger iirzßjzStforia delle belle arti Friulane, scritta dal Conte Fabio di Maniago. Ed. II. Udine 1823. 8. Crowe aß Crwalcaselle, painting in North Italy, V01. II, in Jordarfs deutscher Ausgabe Bd. VI.