408 Buch. Kapitel. Sienesen. Die erst nach langem Zögern kehrte der Künstler zurück, gegen den ge- rechten Zorn seiner Obrigkeit durch ein huldvolles Schreiben des Fürsten geschützt. Dies rücksichtslose Verfahren entfremdete ihm die Herzen seiner Mitbürger und das leichtsinnig "fertig gemalte Bild vermochte diese Stimmung nicht zu bessern. Im Jahre 1540 finden wir ihn in Volterra, bald darauf in Pisa, wo er Einiges für den Dom malte; die Kreuzabnahme und das Opfer Abrahams, besonders letzteres beachtens- werth, stammen aus dieser Zeit. Ebenso eine Madonna, die aus S. Maria della Spina in die Sammlung der Akademie daselbst gekommen ist. Nachdem er sodann noch im Kloster S. Ponziano bei Lucca thätig gewesen war, kehrte er 1543 nach Siena zurück, wo er bis zu seinem Tode 1549 ein unrühmliches Alter verlebte. Seine Kunst war vor ihm gestorben. Es fehlte dem hochbegabten Meister an jener sittlichen Strenge gegen sich selbst, die allein das Höchste zu schaffen vermag. Sein seltner Schönheitssinn, der gepaart mit einer gesteigerten nervösen Erregbarkeit oft so Köstliches hervor- brachte, war zu weich, hatte zu Wenig männliches Mark, um ihn auf die Dauer vor Verflachung und Veräusserlichung zu schützen. Seinem Geiste mangelte die strenge florentinische Zucht, um in dem üppigen Zeitalter der Renaissance die nöthige Widerstands- und Spannkraft zu erlangen. Einer der glänzendsten Vertreter jener goldenen Zeit, bringt er die berauschende Jugendlust ihrer genussfrohen Tage zu strahlender Verherrlichung, aber er verräth auch ihre Schwächen, ihre sittliche Haltlosigkeit. Daher fehlt den meisten seiner Werke, so entzückend sie im Einzelnen sind, der Stempel klassischer Vollendung. Das Beispiel einer so genialen und verführerischen Kunst wurde für die ganze sienesische Malerei bestimmend. Keiner von den dortigen Künstlern vermochte sich ihm zu entziehen, jeder suchte sich von seinem Stil so viel er vermochte anzueignen. So nicht bloss, wie wir schon sahen, Pacchia, sondern namentlich auch der beträchtlich jüngere D0- menico Beccafumi, genannt il Meccherino. Er wurde als Sohn eines Bauern 1486 geboren und von einem angesehenen Manne, Lorenzo Beccafumi, dessen Namen er annahm, erzogen, Bei einem unbedeuten- den Maler Namens Capanna erhielt er die erste Anleitung in der Kunst. Am meisten wirkte in dieser früheren Epoche das Beispiel Peruginds auf ihn ein. Dann aber begab er sich nach Rom und studirte eifrig nach der Antike, sowie nach Rafael und Michelangelo. Nach Siena zurückgekehrt, trat er mit Sodoma in die Schranken, nicht ohne von diesem in Weichheit des Kolorits und Schmelz der Behandlung Manches